Wieder einmal hat es sehr lange gedauert, bis ich mich ans Schreiben gemacht habe und in letzter Zeit war weniger der Mangel an Ideen, sondern eher ihr Überfluss und ihre jeweilige Unausgegorenheit das Problem. Daher werde ich sie nun einfach abarbeiten, damit Platz für Neues entsteht.
Als erstes und deswegen schon fast nicht mehr wahr, waren die Piraten für mich ein interessantes Phänomen. Ob sie nun frischen Wind oder einfach nur ein laues Lüftchen von kurzer Dauer im Politikalltag sein werden, muss sich noch zeigen, spannend finde ich jedoch die Reaktionen sowohl von Seiten der etablierten Politik, als auch aus den Medien. Die Piraten hatten noch nicht ganz ein Parteiprogramm gefertigt, da flogen ihnen schon die Wähler zu, weil sie so schön neu und frech sind. Nachdem es eine ganze Weile gedauert hatte, bis die Etablierten sich ernsthaft mit ihnen beschäftigten, zeigte sich relativ schnell, dass sie nicht wussten, wie sie mit den Piraten umgehen sollten. Und in eben dieser Behäbigkeit liegt vielleicht auch der berechtigte Kritikpunkt der Piraten. Von einem abschätzigen „das sind die ,Linken mit Internetanschluss' “ über ein drohendes „der Welpenschutz ist vorbei“ war alles zu haben. Und immer wieder wurden sie auf der peinlichen Pressekonferenz festgenagelt, in der sich tatsächlich jemand fand und vollmundig erklärte, dass eine Partei nicht auf alles eine Antwort haben müsse. Tatsächlich muss eine Partei nicht auf alles eine Antwort haben, sofern dieses alles gleichbedeutend mit einem „Gott und die Welt“ ist, trotzdem kommt einer Partei, sogar verfassungsmäßig festgehalten, die Aufgabe zu, zu allen gesellschaftlich relevanten Themen eine Antwort zu haben. Und ein Finanzpolitisches Konzept gehört definitiv zu den gesellschaftlich relevanten Themenfeldern. Deswegen finde ich auch weniger die inhaltliche Aufstellung, geschweige denn die personelle, bemerkenswert, als vielmehr den Versuch der Piraten, einer direkten Teilhabe von interessierten Menschen an den parteiinternen Entscheidungen. Natürlich ist dies kein grundlegend neues Konzept, schließlich geht es jeder anderen Partei auch darum, Artikulations- und Teilhabeforum der Bürger zu sein, jedoch gelingt dies den Piraten in letzter Zeit wohl auf eine anziehendere Weise als anderen Parteien.
Diese Anziehungskraft scheint auch auf die Medien auszustrahlen, was bei ihnen allerdings eine etwas eigentümliche Ausprägung erfährt. Keine Meldung, ohne das jemand versucht, eine nautische Metapher in eben jener unterzubringen. Die Piraten selbst geben dem ja auch Vorschub mit einem Motto wie „Klar machen zum Ändern“. Dennoch wirkt das Ganze angestrengt und lächerlich, weil es einerseits nicht die Sache trifft, schließlich sind die Piraten in erster Linie eine Partei und keine Schiffsbesatzung, und andererseits das Ganze so kindisch wirken lässt, dass man nicht weiß, ob der Journalist oder die Piraten ein Bonbon für ihre Taten erwarten. Hier also gilt: Klarmachen zur Vokabularwende.
Neulich in der Philosophie-Vorlesung. Man sitzt mit offenen Augen und bemüht offenem Geist im Hörsaal, während draußen das schöne Wetter an einem vorbeizieht. Descartes heißt der Held der Stunde und allein die Aussprache scheint wohl dem einen oder anderen Schwierigkeiten zu bereiten („Die Franzosen lassen doch da immer so was weg, am Ende von ihren Wörtern“). Es mag erstaunlich klingen, aber meistens folgt dieses So-was-weg-lassen gewissen Regeln, in diesem Fall, bei dem es sich um einen Eigennamen handelt, greifen diese leider meistens nicht. Insofern verdankt René, so sein Vorname, den folgenden, nicht korrekt transkribierten Nachnamen [ Dekart ] wohl vor allem einem tradierten Konsens.
Viel interessanter aber als die Namensbildung und -aussprache im Französischen ist für den Philosophen die Frage, was hat er gesagt, der René. Und tatsächlich ist die Frage, der Descartes nachgegangen ist, eine Überlegung wert, sofern man sich für Überlegungen erwärmen kann, die dem alltäglichen Blickwinkel teils zuwider laufen.
Was ist es denn, von dem ich sicher sein kann, das es wahr ist? Es heißt „Meditationen“ und beginnt fast wie ein Grimmsches Märchen. Der junge René Descartes zieht aus um ein Abenteuer zu erleben. In diesem Fall ein erkenntnistheoretisches und er zieht auch nicht aus, sondern in seine lauschige Hütte hinein, um sich von allem frei zu machen, was ihm im Leben so beigebracht worden ist. Das zu finden, von dem er sicher sein kann, das es nicht bloß Einbildung ist, ist sein Ziel. Entscheidend sind da zwei Gedanken, der erste, auch als das „Traumargument“ in die Geschichte eingegangen, besagt, dass alles, was von den Sinnen kommt, jedwede Wahrnehmung auch Trug sein könnte. Denn wenn Descartes nun träumte, statt zu wachen, dann müsste er seine warme Hütte, das Kaminfeuer, Kleidung und alles weitere für wahr halten, obgleich er gemütlich in seinem Bett liegt und schläft, bis er aufwacht. Gewisse Cineasten mögen sich da an einen bleichen Hacker namens Neo erinnert fühlen. Ausgehend von diesem Gedanken muss also die Wahrnehmung paradoxerweise zur Findung der Wahrheit ausscheiden.
Was bleibt da noch, auf das man sich verlassen kann?
Nun, Descartes kommt auf seinen Geist, der, egal ob der Rest-René schläft oder nicht, immer noch nur dreieckige Dreiecke denken kann. Will sagen, solche Ideen, die aus dem Geist entspringen, und da rechnet Descartes großzügig die gesamte Mathematik dazu, denn jede mathematische Operation gelingt auch, wenn man nichts um sich herum wahrnimmt. Nebenbei für sich genommen ebenfalls eine interessante Erkenntnis. Aber Descartes wäre nicht Descartes, wenn er nicht auch dies in Zweifel zöge. Was, sagt er sich, wäre, wenn nicht mal das stimmt? Wenn ein böser Geist ihm einflüsterte 2+2 sei 4, dabei ist es 5? Nach diesem bösen Geist heißt Descartes zweites Argument denn auch „Argument vom bösen Gott“. Nun hat Descartes also erfolgreich Wahrnehmung und auch das Denken als Quelle der Erkenntnis ausgeschaltet, allerdings sieht es nun ganz schön duster aus. Wenn man weder seinen Augen noch dem eigenen Kopf trauen kann, was bleibt dann noch? Hier liegt die Anziehungskraft des cartesianischen Gedankengangs. Für ihn heißt es nun, wenn auch der böse Geist ihn über alles täuschen mag, so muss es doch zwangsläufig jemanden geben, den der böse Gott täuscht. Das, sagt Descartes, sei er. Auf die griffige Formel „cogito, ergo sum“ gebracht, ist dieser Satz bis in unsere Zeit bekannt.
Wie so oft, wenn die Philosophen versuchen das, was sie meinen, verständlich zu machen, passiert aber auch hier eine Verkürzung. Zwar hat Descartes tatsächlich „cogito, ergo sum“ gesagt, aber nicht in den Meditationen, sondern viel später. Eigentlich heißt es: „Ich bin, ich existiere“ und ist insofern auch unzweifelhafter, denn der eigentliche Gehalt der cartesianischen Erkenntnis ist die Selbstexistenz, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das lässt sich aber auch kürzer fassen, denn „ich bin, ich existiere“ ist in der Originalfassung lateinisch und heißt dementsprechend „ego sum, ego existo“ und das wiederum ist nach einiger schon fast mathematisch anmutender Arbeit auf „sum“ reduzierbar.So gehaltvoll das nun scheint, mindestens ein Problem ergibt sich daraus sofort. Denn Descartes hat nur seine eigene Existenz damit unzweifelhaft für sich gemacht, alle anderen Menschen sind davon ausgenommen, denn sie könnten nach wie vor Täuschungen sein, dieses Problem wird lange nach Descartes Solipzismus genannt werden.
Diese Geschichte blieb mir nun mehrere Tage im Gedächtnis, vor allem aber verfolgt mich seither hartnäckig ein Gedanke, der sich vor meinem geistigen Auge in Folge der begrifflichen Rechenarbeit des Dozenten (ego existo = ego sum, ego sum = sum) formuliert hatte. Was, wenn Bienen die letzten aufrechten Cartesianer sind? Eigentlich muss es so sein, warum sonst, sollte man den ganzen Tag Descartes' berühmtes Dictum den ganzen Tag vor sich hin sagen? Mit dieser ersten und möglicherweise auch einzigen „Schlechte-Wortspiele-Zeit*“ auf diesem Blog schließe ich diesen Eintrag und hoffe, dass ich nun wieder ruhiger schlafen kann, ohne von Bienen in meine Träume verfolgt zu werden und möglicherweise auch wieder Platz für vernünftige Gedanken geschaffen zu haben.
*Dies ist ein nicht von mir geprägter Warennahme, den ich hier nur ausgeliehen habe, weil es in diese Kategorie fällt.
Montag, 28. Mai 2012
Donnerstag, 1. März 2012
Manchmal...
Manchmal braucht es nur die richtige Umgebung und die Gedanken bewegen sich von allein so sehr, wie man es manchmal nicht durch Anstrengung bewirkt.
Von außen sah es aus wie einer dieser riesigen Glaskästen, die einem das Gefühl betonter Modernität vermitteln, und bei mir immer auf eine gewisse Abwehrreaktion gestoßen sind. Auch der Eingangsbereich wirkte eher wie die Eingangshalle eines Bahnhofs oder einer dieser geschniegelten Banken, inklusive des dort anzutreffenden geschäftigen Treibens. Nur das übergroße Goetheportrait vermittelte mir einen ersten Eindruck davon, dass ich mich weder im einen, noch im anderen befand. Ein Blick nach oben zeigte mir, dass vier Etagen über mir darauf warteten, genauer untersucht zu werden.
Nachdem ich die Einlassformalitäten hinter mich gebracht hatte, namentlich die Ablage der mitgebrachten Tasche und Jacke in einem Spint, begab ich mich in das dritte Obergeschoss, das vorläufige Ziel meines Besuchs. Die hölzernen Stufen waren abgewetzt und blank poliert von all den Füßen, die sie jeden Tag auf dem Weg nach oben und nach unten betraten. Oben war es viel ruhiger, obgleich hier nicht viel weniger Menschen unterwegs waren, als am Eingang. Der Raum war groß, mit Teppich ausgelegt, im Gegensatz zum steinernen Boden im Erdgeschoss. Er dämpfte meine Schritte und ich ließ meinen Blick über die Einrichtung schweifen, ein paar Rechner und viele, sehr viele Regale. Die Außenwände ließen das Tageslicht herein, das als erstes auf Tischreihen an den Raumseiten traf. Als ich zwischen die Regale trat, hatte ich das Wort vom "säkularen Gewisper der Bücher" von Umberto Eco im Ohr.
Und je länger ich in der Bibliothek saß, je länger ich in den Werken blätterte, die mir für meine Arbeit vielversprechend erschienen, desto mehr konnte ich nachvollziehen, was er wohl gemeint haben könnte.
Jeder neue Gang, der mich zwischen die Regale führte, ließ mich das Gefühl spüren, dass sonst immer beim Blick in den Sternenhimmel, auf dem Meer oder am Fuß großer Berge auftauchen soll, das Gefühl, dass man selbst nicht einmal einen Fingerhut voll dessen erfahren hat, was die Welt ausmacht. Den ganzen Tag lang las ich und je länger ich las, desto deutlicher wurde mir, wie viel mehr es zu lesen gab. Jeder neue Tag verging wie im Flug und trotzdem hatte ich das Gefühl, wieder ein wenig weiter fortgeschritten zu sein als am Abend zuvor. So viele Bücher, neue wie alte auf einem Fleck und diese allumfassende Ruhe machten diesen Ort zu einem Platz, an dem ich mich so gern aufhielt, wie kaum an einem zweiten sonst. Am Anfang war mir eine ganze Woche lang erschienen, doch hinterher verging sie in einer rasenden Geschwindigkeit. Zum Glück habe ich noch ein paar Jahre vor mir, in denen ich noch mehr Zeit an einem solchen Ort verbringen kann.
Mittlerweile habe ich auch eine neue Idee zur Glasfassade, die mir besser gefällt. Mit der Glasfassade ist es wie mit einem guten Buch: Der Umschlag lässt jemanden einen Blick auf den Inhalt werfen, es steht ihm danach frei, hineinzutreten oder nicht. Wenn man aber Ersteres tut, wird einem erst dann bewusst, dass es drinnen noch viel größer ist, als einen der Umschlag vermuten ließ.
Von außen sah es aus wie einer dieser riesigen Glaskästen, die einem das Gefühl betonter Modernität vermitteln, und bei mir immer auf eine gewisse Abwehrreaktion gestoßen sind. Auch der Eingangsbereich wirkte eher wie die Eingangshalle eines Bahnhofs oder einer dieser geschniegelten Banken, inklusive des dort anzutreffenden geschäftigen Treibens. Nur das übergroße Goetheportrait vermittelte mir einen ersten Eindruck davon, dass ich mich weder im einen, noch im anderen befand. Ein Blick nach oben zeigte mir, dass vier Etagen über mir darauf warteten, genauer untersucht zu werden.
Nachdem ich die Einlassformalitäten hinter mich gebracht hatte, namentlich die Ablage der mitgebrachten Tasche und Jacke in einem Spint, begab ich mich in das dritte Obergeschoss, das vorläufige Ziel meines Besuchs. Die hölzernen Stufen waren abgewetzt und blank poliert von all den Füßen, die sie jeden Tag auf dem Weg nach oben und nach unten betraten. Oben war es viel ruhiger, obgleich hier nicht viel weniger Menschen unterwegs waren, als am Eingang. Der Raum war groß, mit Teppich ausgelegt, im Gegensatz zum steinernen Boden im Erdgeschoss. Er dämpfte meine Schritte und ich ließ meinen Blick über die Einrichtung schweifen, ein paar Rechner und viele, sehr viele Regale. Die Außenwände ließen das Tageslicht herein, das als erstes auf Tischreihen an den Raumseiten traf. Als ich zwischen die Regale trat, hatte ich das Wort vom "säkularen Gewisper der Bücher" von Umberto Eco im Ohr.
Und je länger ich in der Bibliothek saß, je länger ich in den Werken blätterte, die mir für meine Arbeit vielversprechend erschienen, desto mehr konnte ich nachvollziehen, was er wohl gemeint haben könnte.
Jeder neue Gang, der mich zwischen die Regale führte, ließ mich das Gefühl spüren, dass sonst immer beim Blick in den Sternenhimmel, auf dem Meer oder am Fuß großer Berge auftauchen soll, das Gefühl, dass man selbst nicht einmal einen Fingerhut voll dessen erfahren hat, was die Welt ausmacht. Den ganzen Tag lang las ich und je länger ich las, desto deutlicher wurde mir, wie viel mehr es zu lesen gab. Jeder neue Tag verging wie im Flug und trotzdem hatte ich das Gefühl, wieder ein wenig weiter fortgeschritten zu sein als am Abend zuvor. So viele Bücher, neue wie alte auf einem Fleck und diese allumfassende Ruhe machten diesen Ort zu einem Platz, an dem ich mich so gern aufhielt, wie kaum an einem zweiten sonst. Am Anfang war mir eine ganze Woche lang erschienen, doch hinterher verging sie in einer rasenden Geschwindigkeit. Zum Glück habe ich noch ein paar Jahre vor mir, in denen ich noch mehr Zeit an einem solchen Ort verbringen kann.
Mittlerweile habe ich auch eine neue Idee zur Glasfassade, die mir besser gefällt. Mit der Glasfassade ist es wie mit einem guten Buch: Der Umschlag lässt jemanden einen Blick auf den Inhalt werfen, es steht ihm danach frei, hineinzutreten oder nicht. Wenn man aber Ersteres tut, wird einem erst dann bewusst, dass es drinnen noch viel größer ist, als einen der Umschlag vermuten ließ.
Freitag, 10. Februar 2012
Warum hast Du so einen roten Fleck auf der Stirn?
Hier sitze ich nun zwischen meinen Klausurvorbereitungen, aber was mich wirklich beschäftigt, dass spielt sich woanders ab.
Nicht nur dass wir uns mit beratungsresistenten Akteuren im Finanzmarkt herumschlagen müssen, nein, auch die Politik nimmt zunehmend deren Habitus an, ja, scheint sich gerade zu danach zu sehnen, nicht länger Verantwortung für die Gemeinschaft, sondern eher für sich selbst zu übernehmen. Ein vor sich hin scheidender Bundespräsident, der zwar nichts nachweislich Illegales tat, aber sicherlich nicht "geradlinig" gehandelt hat. Nein, im Gegenteil, das Amt, das er bekleidet, hat er so sehr in Verruf gebracht wie lang niemand mehr. Obwohl das eigentlich nicht stimmt, denn was er in Verruf bringt, das ist seine Person selbst. Das Amt leidet aber auch darunter, denn zunächst wurde es von einem zurückhaltenden Amtsträger ausgeübt, der dann zu allem Überfluss nicht einmal seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird, nicht nur das, sondern sogar auch noch in aller Öffentlichkeit wortbrüchig wird, wenn er nicht gerade zu den Vorwürfen schweigt. Zunächst verspricht er eine vollständige Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen der Presse, dann aber lässt er nur eine Zusammenfassung veröffentlichen, man beachte: lässt.
Und noch etwas beschäftigt mich. Es ist noch nicht lange her, da nahm die Weltöffentlichkeit mit einiger Überraschung die Enthaltung der Bundesrepublik in Sachen Libyen auf und nun plustert sich unser Außenminister auf, wenn, wie nicht anders erwartet, Russland und China ihr Veto gegen eine UN-Resolution zum Thema Syrien verkünden. Eine in der Tat herbe Schlappe, aber doch keine Überraschung, wo sich doch deutlich abzeichnet, dass die UN kaum handlungsfähig sein kann, wenn zwei Staaten, die die Menschenrechte nicht allzu weit oben auf ihrer Agenda tragen, mit ihrer Stimme das Gremium blockieren können. Russland scheint doch noch nicht gänzlich über die Vergangenheit hinweggekommen zu sein, zumindest lassen die Vorwürfe Putins nach den Aufständen nach der Duma-Wahl, diese seien von den USA inszeniert worden, darauf schließen. Und so müssen wir uns ein hämisches Grinsen des Assad-Regimes gefallen lassen, das es als eine Schlappe der westlichen und arabischen Verschwörer bezeichnet, wenn die geballte Macht der Weltöffentlichkeit verpufft. In einem hat Syriens derzeitige Führung recht: Es ist eine Schlappe, aber nicht für eine ominöse Verschwörung, sondern für eine Politik, die sich nicht allein von "politischer Taktik", sondern vielmehr von Idealen leiten lässt, wie die Menschenrechte nun mal eigentlich welche darstellen sollten.
Aber woher soll diese in Zeiten kommen, in denen der Westen schon mit sich selbst mehr als genug beschäftigt ist, weil er es nicht fertigbringt, sich vom Götzenbild Markt und seinem Propheten Wachstum zu lösen. Wir mögen den religiösen Mythos der Antike und des Mittelalters überwunden haben, aber wir haben das mythologische Denken nicht verlernt, sondern uns nur neuen Ammenmärchen zugewandt, die noch dazu nur wenigen tröstlich erscheinen dürften.
Nicht nur dass wir uns mit beratungsresistenten Akteuren im Finanzmarkt herumschlagen müssen, nein, auch die Politik nimmt zunehmend deren Habitus an, ja, scheint sich gerade zu danach zu sehnen, nicht länger Verantwortung für die Gemeinschaft, sondern eher für sich selbst zu übernehmen. Ein vor sich hin scheidender Bundespräsident, der zwar nichts nachweislich Illegales tat, aber sicherlich nicht "geradlinig" gehandelt hat. Nein, im Gegenteil, das Amt, das er bekleidet, hat er so sehr in Verruf gebracht wie lang niemand mehr. Obwohl das eigentlich nicht stimmt, denn was er in Verruf bringt, das ist seine Person selbst. Das Amt leidet aber auch darunter, denn zunächst wurde es von einem zurückhaltenden Amtsträger ausgeübt, der dann zu allem Überfluss nicht einmal seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird, nicht nur das, sondern sogar auch noch in aller Öffentlichkeit wortbrüchig wird, wenn er nicht gerade zu den Vorwürfen schweigt. Zunächst verspricht er eine vollständige Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen der Presse, dann aber lässt er nur eine Zusammenfassung veröffentlichen, man beachte: lässt.
Und noch etwas beschäftigt mich. Es ist noch nicht lange her, da nahm die Weltöffentlichkeit mit einiger Überraschung die Enthaltung der Bundesrepublik in Sachen Libyen auf und nun plustert sich unser Außenminister auf, wenn, wie nicht anders erwartet, Russland und China ihr Veto gegen eine UN-Resolution zum Thema Syrien verkünden. Eine in der Tat herbe Schlappe, aber doch keine Überraschung, wo sich doch deutlich abzeichnet, dass die UN kaum handlungsfähig sein kann, wenn zwei Staaten, die die Menschenrechte nicht allzu weit oben auf ihrer Agenda tragen, mit ihrer Stimme das Gremium blockieren können. Russland scheint doch noch nicht gänzlich über die Vergangenheit hinweggekommen zu sein, zumindest lassen die Vorwürfe Putins nach den Aufständen nach der Duma-Wahl, diese seien von den USA inszeniert worden, darauf schließen. Und so müssen wir uns ein hämisches Grinsen des Assad-Regimes gefallen lassen, das es als eine Schlappe der westlichen und arabischen Verschwörer bezeichnet, wenn die geballte Macht der Weltöffentlichkeit verpufft. In einem hat Syriens derzeitige Führung recht: Es ist eine Schlappe, aber nicht für eine ominöse Verschwörung, sondern für eine Politik, die sich nicht allein von "politischer Taktik", sondern vielmehr von Idealen leiten lässt, wie die Menschenrechte nun mal eigentlich welche darstellen sollten.
Aber woher soll diese in Zeiten kommen, in denen der Westen schon mit sich selbst mehr als genug beschäftigt ist, weil er es nicht fertigbringt, sich vom Götzenbild Markt und seinem Propheten Wachstum zu lösen. Wir mögen den religiösen Mythos der Antike und des Mittelalters überwunden haben, aber wir haben das mythologische Denken nicht verlernt, sondern uns nur neuen Ammenmärchen zugewandt, die noch dazu nur wenigen tröstlich erscheinen dürften.
Mittwoch, 16. November 2011
In nomine occupy?
Eigentlich sollte es um das neue Verständnis des Begriffs "Mythos" Ende des 18. Jahrhunderts gehen. Was mich aber an diesem Vorlesungstag wirklich zum Nachdenken anregte, war das beiläufig erwähnte Werk David Humes "Naturgeschichte der Religion", in dem er sich mit der Entwicklung der Religion beschäftigt, die sich vom Polytheismus hin zum Monotheismus entwickelt hat. Seine These: Parallel zur Entwicklung des Menschen vollzieht sich eine schon ebenfalls biologisch anmutende Entwicklung der Religion. Aus der Urbarbarei erblüht der Polytheismus, der irgendwann seinerseits verwelkt und Raum für den Monotheismus schafft. Der sich hier anschließende Gedankengang meinerseits sah etwa wie folgt aus:
Wozu gibt es eigentlich Götter? Nun, ähnlich wie der Gott haben sie die Aufgabe, die Welt am Laufen bzw. zusammenzuhalten. Neben dieser numinosen, ein wenig schwer fassbaren Autorität hat sich der Mensch außerdem vorgestellt, dass es vielleicht ganz nützlich sein könnte, eine weltliche Instanz zu haben, die sein Leben, je nach Form mehr oder minder lenkt. Die einzige Beziehung zwischen diesen beiden Autoritäten wäre also zunächst mal eine ähnliche Aufgabe. Es scheint ja doch recht vernünftig, erstmal ein ganzes Pantheon mit einer so großen Aufgabe, die Erde in Schwung zu halten, zu betrauen. Es gibt schließlich so Einiges zu tun. Von so weitläufigen Pflichten wie Gewitter oder Gezeiten erzeugen, den Sonnenzyklus herbeizuführen, Liebe, Täuschung, usw. in die Welt zu tragen, bis hin zu so eng definierten Aufgabenfeldern wie Verkörperung eines Flusses, kurz für eigentlich alle der, grobgeschätzt, 243.978.239 Aufgaben in der Welt braucht man eine zuständige Gottheit.
Wenn ich mir die Fülle dieser Aufgaben mal so vor Augen führe, wer ist denn bitteschön darauf gekommen, all das einem einzigen Gott, und sei er noch so allmächtig, aufbürden zu wollen? Tja, die Christen haben's getan, obwohl das da mit dem Monotheismus ja auch nicht so genau genommen wird. Findet zumindest Hume, der als Beispiel die Verehrung der Jungfrau Maria besonders im Katholizismus oder des St. Nikolaus in Russland anführt. Na gut, ein Grund könnte natürlich Bequemlichkeit gewesen sein. Schließlich waren die griechischen, genauso wie alle anderen Götter nicht unbedingt für ihre Barmherzigkeit und Allgüte, geschweige denn für ihre Zurückhaltung bei der Forderung von Opfergaben bekannt. Vielleicht hat es den Menschen einfach irgendwann gereicht, ständig auf 'zigtausende Altäre Gaben zu tragen, ohne überhaupt sicher sein zu können, dass ihnen die Angebeteten hernach wohlgesonnen waren. Nein, launisch waren die Biester ja auch noch, eben noch steht Zeus hinter dir und hält, was auch immer da kommen möge, mit Blitzen von dir fern, und im nächsten Moment kriegst du besagten Blitz selbst in den Rücken, weil du blöderweise vergessen hast, ihm mal wieder was auf den Altar zu schmeißen.
Ganz abgesehen davon, dass mit der Einführung eines Gottes, der sich größtenteils aus den Angelegenheiten seiner Anhänger heraushält, sich ja auch ganz neue Möglichkeiten ergeben. Nicht zuletzt die Aufgaben und der Zuständigkeitsbereich der weltlichen Autorität wachsen, was zumindest bei diesen Autoritäten dazu geführt haben dürfte, dass das, was früher verschwenderischerweise auf dem Altar und im Opferfeuer gelandet ist, nun auf den eigenen Tisch kommt. So gesehen, ein kluger Schachzug das mit dem Christentum.
Tja, aber auch bei Humes Tagen von Christentum und Gottesgnadentum sind wir nicht stehen geblieben, nein, kein Organismus lebt ewig. Denn auch dieser eine Gott hat sich gründlich unbeliebt gemacht. Besonders bei einer bestimmten Berufsgruppe, die es irgendwann leid war, für jede frei geäußerte Meinung mit eigens dafür erdachten Instrumenten gepiesackt oder bis zur Letalität auf den eigentlich schon ausrangierten Altären mit Opferfeuer erhitzt zu werden. Von irgendwelchen Spinnern, die ihrerseits der Meinung waren, dass das Geäußerte mit Sicherheit nicht der Meinung ihres unsichtbaren Freundes entspräche. Es folgt also auf den Monotheismus der Atheismus. Heute ist unsere Welt so weit säkularisiert, dass, ich möchte behaupten, fast überall der oder die Götter ihre Zuständigkeit an weltliche Instanzen abgegeben haben. Was einerseits bedeutet, dass "die-da-ganz-oben" sich mittlerweile einen lauen Lenz machen, andererseits aber, dass für alles, von dem wir nicht mittlerweile wissen, das es von allein läuft, "die-da-oben" zuständig sind. Es handelt sich nach sorgfältiger Schätzung meinerseits noch um etwa 243.578.234 Pflichten, die nach Abzug der automatisch funktionierenden Dinge, in der Welt noch zu tun übrig bleiben.
Der Knackpunkt ist, dass mittlerweile auch die weltliche Regierung bei den Menschen nicht mehr sonderlich gut ankommt, wie sich vielerorts schon feststellen lässt. Die Frage lautet: Was kommt dann? Denn obgleich ich mich immer wieder freue, zu sehen, dass es nicht nur offensichtlich noch Menschen gibt, die eine politische Meinung haben, sondern dass einige sogar bereit sind, für selbige auf die Straße zu gehen, frage ich mich auch, ob es denn so sinnvoll ist, wie viele fordern, solchen Bewegungen in Zukunft unsere Zukunft anzuvertrauen. Wir rufen uns ins Gedächtnis: Ein ganzes Pantheon hat die exakt berechnete Anzahl von 243.578.234 Aufgaben in der Welt nicht zu unserer Zufriedenheit (!)beweltigen können, der wenigstens noch allmächtige eine Nachfolger hat es auch vergeigt und obgleich sie geschickt taktiert hat, ist von der anfänglichen Euphorie für unsere menschlich-fehlbare Regierung auch nicht mehr viel zu spüren. Ist schon paradox, dass das jetzt die Leute auf der Straße regeln sollen. Obwohl, wer weiß... Erwin Pelzig hat vor nicht allzu langer Zeit gesagt, er sei gespannt, was nach der Krise komme. Ich glaube, ich auch.
Wozu gibt es eigentlich Götter? Nun, ähnlich wie der Gott haben sie die Aufgabe, die Welt am Laufen bzw. zusammenzuhalten. Neben dieser numinosen, ein wenig schwer fassbaren Autorität hat sich der Mensch außerdem vorgestellt, dass es vielleicht ganz nützlich sein könnte, eine weltliche Instanz zu haben, die sein Leben, je nach Form mehr oder minder lenkt. Die einzige Beziehung zwischen diesen beiden Autoritäten wäre also zunächst mal eine ähnliche Aufgabe. Es scheint ja doch recht vernünftig, erstmal ein ganzes Pantheon mit einer so großen Aufgabe, die Erde in Schwung zu halten, zu betrauen. Es gibt schließlich so Einiges zu tun. Von so weitläufigen Pflichten wie Gewitter oder Gezeiten erzeugen, den Sonnenzyklus herbeizuführen, Liebe, Täuschung, usw. in die Welt zu tragen, bis hin zu so eng definierten Aufgabenfeldern wie Verkörperung eines Flusses, kurz für eigentlich alle der, grobgeschätzt, 243.978.239 Aufgaben in der Welt braucht man eine zuständige Gottheit.
Wenn ich mir die Fülle dieser Aufgaben mal so vor Augen führe, wer ist denn bitteschön darauf gekommen, all das einem einzigen Gott, und sei er noch so allmächtig, aufbürden zu wollen? Tja, die Christen haben's getan, obwohl das da mit dem Monotheismus ja auch nicht so genau genommen wird. Findet zumindest Hume, der als Beispiel die Verehrung der Jungfrau Maria besonders im Katholizismus oder des St. Nikolaus in Russland anführt. Na gut, ein Grund könnte natürlich Bequemlichkeit gewesen sein. Schließlich waren die griechischen, genauso wie alle anderen Götter nicht unbedingt für ihre Barmherzigkeit und Allgüte, geschweige denn für ihre Zurückhaltung bei der Forderung von Opfergaben bekannt. Vielleicht hat es den Menschen einfach irgendwann gereicht, ständig auf 'zigtausende Altäre Gaben zu tragen, ohne überhaupt sicher sein zu können, dass ihnen die Angebeteten hernach wohlgesonnen waren. Nein, launisch waren die Biester ja auch noch, eben noch steht Zeus hinter dir und hält, was auch immer da kommen möge, mit Blitzen von dir fern, und im nächsten Moment kriegst du besagten Blitz selbst in den Rücken, weil du blöderweise vergessen hast, ihm mal wieder was auf den Altar zu schmeißen.
Ganz abgesehen davon, dass mit der Einführung eines Gottes, der sich größtenteils aus den Angelegenheiten seiner Anhänger heraushält, sich ja auch ganz neue Möglichkeiten ergeben. Nicht zuletzt die Aufgaben und der Zuständigkeitsbereich der weltlichen Autorität wachsen, was zumindest bei diesen Autoritäten dazu geführt haben dürfte, dass das, was früher verschwenderischerweise auf dem Altar und im Opferfeuer gelandet ist, nun auf den eigenen Tisch kommt. So gesehen, ein kluger Schachzug das mit dem Christentum.
Tja, aber auch bei Humes Tagen von Christentum und Gottesgnadentum sind wir nicht stehen geblieben, nein, kein Organismus lebt ewig. Denn auch dieser eine Gott hat sich gründlich unbeliebt gemacht. Besonders bei einer bestimmten Berufsgruppe, die es irgendwann leid war, für jede frei geäußerte Meinung mit eigens dafür erdachten Instrumenten gepiesackt oder bis zur Letalität auf den eigentlich schon ausrangierten Altären mit Opferfeuer erhitzt zu werden. Von irgendwelchen Spinnern, die ihrerseits der Meinung waren, dass das Geäußerte mit Sicherheit nicht der Meinung ihres unsichtbaren Freundes entspräche. Es folgt also auf den Monotheismus der Atheismus. Heute ist unsere Welt so weit säkularisiert, dass, ich möchte behaupten, fast überall der oder die Götter ihre Zuständigkeit an weltliche Instanzen abgegeben haben. Was einerseits bedeutet, dass "die-da-ganz-oben" sich mittlerweile einen lauen Lenz machen, andererseits aber, dass für alles, von dem wir nicht mittlerweile wissen, das es von allein läuft, "die-da-oben" zuständig sind. Es handelt sich nach sorgfältiger Schätzung meinerseits noch um etwa 243.578.234 Pflichten, die nach Abzug der automatisch funktionierenden Dinge, in der Welt noch zu tun übrig bleiben.
Der Knackpunkt ist, dass mittlerweile auch die weltliche Regierung bei den Menschen nicht mehr sonderlich gut ankommt, wie sich vielerorts schon feststellen lässt. Die Frage lautet: Was kommt dann? Denn obgleich ich mich immer wieder freue, zu sehen, dass es nicht nur offensichtlich noch Menschen gibt, die eine politische Meinung haben, sondern dass einige sogar bereit sind, für selbige auf die Straße zu gehen, frage ich mich auch, ob es denn so sinnvoll ist, wie viele fordern, solchen Bewegungen in Zukunft unsere Zukunft anzuvertrauen. Wir rufen uns ins Gedächtnis: Ein ganzes Pantheon hat die exakt berechnete Anzahl von 243.578.234 Aufgaben in der Welt nicht zu unserer Zufriedenheit (!)beweltigen können, der wenigstens noch allmächtige eine Nachfolger hat es auch vergeigt und obgleich sie geschickt taktiert hat, ist von der anfänglichen Euphorie für unsere menschlich-fehlbare Regierung auch nicht mehr viel zu spüren. Ist schon paradox, dass das jetzt die Leute auf der Straße regeln sollen. Obwohl, wer weiß... Erwin Pelzig hat vor nicht allzu langer Zeit gesagt, er sei gespannt, was nach der Krise komme. Ich glaube, ich auch.
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Neu
Es kommt mir noch wie gestern vor, als ich von meinem geliebten kleinen Dorf in ein vielfach größeres Dorf ziehen musste und ich meine Freunde furchtbar vermisste. Doch kaum hatte ich mich in dem größeren Dorf eingelebt, ging es schon wieder weiter. Seit ein paar Wochen nun schon wohne ich in einer WG mit drei Freunden und freu' mich auf das Studium.
Mitte September sattelten wir die sprichwörtlichen Pferde und zogen weiter. Ganze vier Autostunden von der alten Heimat entfernt schlugen wir unsere neuen Zelte auf. Und tatsächlich schienen mir die ersten Tage eher wie ein Camping-Urlaub als ein Neuanfang. Nur mit mehr Kartons. Überall Kartons, Kästen, Möbel und Kleidung, die es beim Versuch, ihnen einen neuen Platz zu geben, zu umschiffen galt, während man mit weiteren Kartons beladen steile Treppenhäuser zu erklimmen hatte. Das erste Abendessen bestand, wie ich mir sagen lassen habe, aus ganz typischem Studentenfutter: Lieferpizza. Zu meiner bzw. unser aller Entschuldigung sei vorgebracht, dass wir in dem Sinne noch keine Küche besaßen, die sollte nämlich in dieser Woche kommen. Da waren sie also schon dahin meine schönen Vorsätze zur Selbstbetätigung in der Küche...
In all dem Chaos tauchte aber neben mehreren Töpfen, Kochbesteck, und so viel Besteck und Geschirr, dass jeder Ehestreit , der auf verbalem Wege nicht länger zu lösen zu sein scheint, sich bei uns mehrere Wochen mit Munition versorgen könnte, auch eine mobile Kochplatte auf, sodass wir bereits am zweiten Abend selbstgekochte Speisen zu uns nehmen konnten. Ein Hoch auf die Saucierkünste meines Vaters. Die Ausstattung für unsere ersten Nudeln im neuen Zuhause sammelte sich in einem riesigen Überlebens-Kit, das sich zwischen den Kartonbergen eines unserer Mitbewohner fand. Das hatte wohl eine fürsorgliche Mutter geschnürt, um wenigstens die erste Woche das Überleben ihres Sohnes und seiner drei Mitbewohner ohne jegliche Versorgung von außen zu gewährleisten. Schließlich befinden wir uns jetzt im Osten und da weiß man ja nie, demzufolge überrascht auch der große Anteil der Bananen nicht länger... Entgegen aller Ostklischees allerdings entpuppte sich unsere Versorgungslage hier geradezu als ideal.
Und umso mehr die Gebirge an Ausrüstung und Verpflegung langsam schrumpften, desto wohnlicher wurde die Wohnung. So kam es, dass wir schließlich jeder ein kleines gemütliches Domizil unser Eigen nennen durften. Mit tatkräftiger Unterstützung der einzelnen Mitbewohner wurde auch mein Zimmer, das gleichzeitig unser Gemeinschaftszimmer ist, anfangs aber eher einer Lagerhalle glich, zum beliebten Treffpunkt. Während und nach den wichtigsten Arbeiten in der Wohnung galt es auch noch Telefonseelsorge bei den Eltern, die interessiert und zugleich ein wenig besorgt um die Überlebenskünste ihrer jungen Sprößlinge waren, zu betreiben.
Endlich war die Wohnung soweit eingerichtet, dass man nicht länger um und über etwaige Hindernisse steigen musste und wir betraten Neuland: Jena. Je länger ich diese Stadt nun bewohne und je mehr ich davon sehe, desto mehr gefällt sie mir. Gerade in den letzten Tagen, in denen ich staunend mit meinen zukünftigen Komilitonen von unseren Fachschaftsstudenten durch die Stadt zu den wichtigsten Einrichtungen unseres universitären und Studentenlebens geführt wurden, habe ich mich davon überzeugen lassen dürfen, dass ich es besser kaum hätte treffen können.
Umso mehr freue ich mich nun auf mein Studium und die kommenden Jahre, denn auch wenn ich schon wieder einmal meinen Standpunkt wechseln musste, so eröffnet ein solcher Wechsel doch immer auch neue Perspektiven.
Mitte September sattelten wir die sprichwörtlichen Pferde und zogen weiter. Ganze vier Autostunden von der alten Heimat entfernt schlugen wir unsere neuen Zelte auf. Und tatsächlich schienen mir die ersten Tage eher wie ein Camping-Urlaub als ein Neuanfang. Nur mit mehr Kartons. Überall Kartons, Kästen, Möbel und Kleidung, die es beim Versuch, ihnen einen neuen Platz zu geben, zu umschiffen galt, während man mit weiteren Kartons beladen steile Treppenhäuser zu erklimmen hatte. Das erste Abendessen bestand, wie ich mir sagen lassen habe, aus ganz typischem Studentenfutter: Lieferpizza. Zu meiner bzw. unser aller Entschuldigung sei vorgebracht, dass wir in dem Sinne noch keine Küche besaßen, die sollte nämlich in dieser Woche kommen. Da waren sie also schon dahin meine schönen Vorsätze zur Selbstbetätigung in der Küche...
In all dem Chaos tauchte aber neben mehreren Töpfen, Kochbesteck, und so viel Besteck und Geschirr, dass jeder Ehestreit , der auf verbalem Wege nicht länger zu lösen zu sein scheint, sich bei uns mehrere Wochen mit Munition versorgen könnte, auch eine mobile Kochplatte auf, sodass wir bereits am zweiten Abend selbstgekochte Speisen zu uns nehmen konnten. Ein Hoch auf die Saucierkünste meines Vaters. Die Ausstattung für unsere ersten Nudeln im neuen Zuhause sammelte sich in einem riesigen Überlebens-Kit, das sich zwischen den Kartonbergen eines unserer Mitbewohner fand. Das hatte wohl eine fürsorgliche Mutter geschnürt, um wenigstens die erste Woche das Überleben ihres Sohnes und seiner drei Mitbewohner ohne jegliche Versorgung von außen zu gewährleisten. Schließlich befinden wir uns jetzt im Osten und da weiß man ja nie, demzufolge überrascht auch der große Anteil der Bananen nicht länger... Entgegen aller Ostklischees allerdings entpuppte sich unsere Versorgungslage hier geradezu als ideal.
Und umso mehr die Gebirge an Ausrüstung und Verpflegung langsam schrumpften, desto wohnlicher wurde die Wohnung. So kam es, dass wir schließlich jeder ein kleines gemütliches Domizil unser Eigen nennen durften. Mit tatkräftiger Unterstützung der einzelnen Mitbewohner wurde auch mein Zimmer, das gleichzeitig unser Gemeinschaftszimmer ist, anfangs aber eher einer Lagerhalle glich, zum beliebten Treffpunkt. Während und nach den wichtigsten Arbeiten in der Wohnung galt es auch noch Telefonseelsorge bei den Eltern, die interessiert und zugleich ein wenig besorgt um die Überlebenskünste ihrer jungen Sprößlinge waren, zu betreiben.
Endlich war die Wohnung soweit eingerichtet, dass man nicht länger um und über etwaige Hindernisse steigen musste und wir betraten Neuland: Jena. Je länger ich diese Stadt nun bewohne und je mehr ich davon sehe, desto mehr gefällt sie mir. Gerade in den letzten Tagen, in denen ich staunend mit meinen zukünftigen Komilitonen von unseren Fachschaftsstudenten durch die Stadt zu den wichtigsten Einrichtungen unseres universitären und Studentenlebens geführt wurden, habe ich mich davon überzeugen lassen dürfen, dass ich es besser kaum hätte treffen können.
Umso mehr freue ich mich nun auf mein Studium und die kommenden Jahre, denn auch wenn ich schon wieder einmal meinen Standpunkt wechseln musste, so eröffnet ein solcher Wechsel doch immer auch neue Perspektiven.
Dienstag, 12. Juli 2011
Zu kurz
Leider gibt es in letzter Zeit nicht Vieles, das wenigstens meinen Ansrpüchen genügt, um auf diesem Blog zu erscheinen. Ohne Zweifel jedoch war das RockHarz Festival 2011, auf dem ich mich vom 6. bis 10. Juli befand, gleichzeitig meine Festival-Taufe, ein echtes Erlebnis.
Erstaunlicherweise verliefen sowohl Hin-, als auch Rückfahrt ohne Komplikationen, was bei uns sonst eher selten der Fall ist. Viel wichtiger war natürlich das Festival selbst, das uns drei ganze Tage mit Live-Musik versorgte, die diesen Titel tatsächlich noch verdient. Neben einigen mir bereits bekannten Bands, waren umso mehr mir vorher unbekannte dabei, und einige aus dieser Menge sind mir überaus positiv in Erinnerung geblieben. Auch der Camp-Alltag war sehr schön, abgesehen von einigen kleineren und größeren Pannen (nachzulesen auf: http://spinken.blog.de/2011/07/11/rhz2011-11467249/ ). Besonders die erste abendfüllende Unterhaltung, die sich bis in die frühen Morgenstunden zog (vier Stunden Schlaf sind völlig ausreichend...fast), hat und wird mir zu Denken geben. Vielen Dank an die, die dabei waren. Nun bleibt mir nur noch ein Fazit zu ziehen: Das Festival war, wie dieser Eintrag, viel zu kurz.
Zum Abschluss ein Ohrwurm, der mich, seit ich ihn live hörte, nicht mehr loslässt:
http://www.youtube.com/watch?v=MtOuHmzvZ5Y
Erstaunlicherweise verliefen sowohl Hin-, als auch Rückfahrt ohne Komplikationen, was bei uns sonst eher selten der Fall ist. Viel wichtiger war natürlich das Festival selbst, das uns drei ganze Tage mit Live-Musik versorgte, die diesen Titel tatsächlich noch verdient. Neben einigen mir bereits bekannten Bands, waren umso mehr mir vorher unbekannte dabei, und einige aus dieser Menge sind mir überaus positiv in Erinnerung geblieben. Auch der Camp-Alltag war sehr schön, abgesehen von einigen kleineren und größeren Pannen (nachzulesen auf: http://spinken.blog.de/2011/07/11/rhz2011-11467249/ ). Besonders die erste abendfüllende Unterhaltung, die sich bis in die frühen Morgenstunden zog (vier Stunden Schlaf sind völlig ausreichend...fast), hat und wird mir zu Denken geben. Vielen Dank an die, die dabei waren. Nun bleibt mir nur noch ein Fazit zu ziehen: Das Festival war, wie dieser Eintrag, viel zu kurz.
Zum Abschluss ein Ohrwurm, der mich, seit ich ihn live hörte, nicht mehr loslässt:
http://www.youtube.com/watch?v=MtOuHmzvZ5Y
Freitag, 27. Mai 2011
42
Herzlich willkommen zum 42. Eintrag meines Blogs!
Für manchen mag sich jetzt die Frage stellen, warum ausgerechnet 42? Diese Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten, bevor jetzt ein paar schlaue Füchse nachzählen, ich habe es bereits getan und bin, abzüglich der Einleitung auf eben diese Zahl gekommen. Der eigentliche Grund aber ist, dass ich mir als Fan der bekannten Romane von Douglas Adams schon länger vorgenommen hatte, die 42 entsprechend zu würdigen. Dies mag auch erklären, warum es so lange gedauert hat, von der 41 zur 42. Wie die anderen Kenner wissen, handelt es sich bei der Zahl 42 um die Antwort des riesigen Computers „Deep Thought“ auf die Frage aller Fragen, die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Nun bin ich keine riesige Rechenmaschine und bilde mir auch nicht ein, in meinem jungen Leben schon die Antwort auf diese Frage gefunden zu haben. Allerdings habe ich sagen wir mal eine für mich vorerst befriedigende „Arbeitshypothese“ für die Frage „Was soll ich tun?“ entwickelt. Diese will ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten, allein schon aus dem einfachen Grund, dass ich mich in solchen Dingen immer mitteilen muss.
Tja, so hätte die Einleitung für diesen Blogeintrag lauten können, wäre da nicht dieser aktuelle Anlass gewesen, der mir einen Strich durch die schöne Rechnung gemacht hat. Wie dem auch sei, ich habe mich trotzdem entschieden, sie zu behalten, obgleich die Rechnung nun nicht länger aufgeht. Viel wichtiger als die Einleitung, die ja nur die Aufmerksamkeit eines arglosen Lesers binden soll, ist ja der Inhalt.
Wie bereits ausgeführt, handelt es sich dabei diesmal um den Versuch, eine Arbeitshypothese zu finden, die einen Ansatz bietet, mit diesem Leben, in das wir alle hineingeworfen sind, umzugehen.
Da dieses Unterfangen ohne Frage eine gewisse Breite erfordert, ist es schwierig einen passenden Einstieg zu finden. Ich versuche es wie folgt:
Bereits zu Beginn unserer Entstehungsgeschichte, ja seit Beginn des Lebens an sich, hat sich eine Grundregel etabliert, die sozusagen systemrelevant ist. Wer diese nicht befolgt, ist heute allenfalls noch in Naturkundemuseen zu sehen oder unter vielen Gesteinslagen vergraben. Die Regel heißt „Überlebe!“. Simpel und einprägsam, hat sie dazu geführt, dass sich das Leben so entwickelt hat, wie wir es heute bestaunen können. Später haben Einige behauptet, es gebe einen ominösen großen Geist, der die Welt geschaffen habe, mit allem, was darauf zu finden ist. Außerdem fingen diese Leute an, diejenigen Leute, die an andere ominöse große Geister glaubten, zu bekriegen, um sie davon zu überzeugen, dass es deren ominösen großen Geist nicht gibt.
Andere haben sich überlegt, dass es eher etwas mit einer sich selbst fortschreibenden Geschichte zu tun hat, die man unter anderem mit der Formel „survival of the fittest“ beschreiben kann. Dass auch diese um Konflikte mit den ominösen Große-Geistliebhabern nicht herumgekommen sind, ist fast selbstredend. Wieder andere waren so begeistert von dieser Idee, dass sie daraufhin anfingen, die in ihren Augen weniger fitten auszurotten. Glücklicherweise fanden sich noch andere, die diese aufgehalten haben. Bereits an dieser Stelle werden drei bis vier Dinge über uns Menschen deutlich:
1. Wir haben Phantasie.
2. Wir sind bereit, für unsere Luftschlösser zu kämpfen.
3. Wir haben eine Begabung zur Vernunft.
4. Wir sind hin und wieder im Irrtum.
Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass wir trotz aller Irrtümer und Fehltritte ein Erfolgsmodell der Natur darstellen, ohne daraus bereits diverse andere Schlüsse zu ziehen. Hinzu kommt aber, dass wir aufgrund unseres Erfolges auch entsprechend große Irrtümer und Fehltritte begehen. Zu Zeiten als noch die Große-Geistverehrer das Sagen hatten, waren es noch solche, die sich vornehmlich auf uns, unseren Nächsten und die jeweilige Heimstatt beschränkt haben. Seit die Leute mit Ideen wie dem „survival of the fittest“ an Einfluss gewonnen haben, sind die Folgen unserer Fehler weitaus großflächiger, nicht länger auf einen kleinen Bereich oder einen kleinen Zeitraum beschränkt.
Eine weitere grundlegende Feststellung ist für mich, dass wir Menschen abgesehen von einigen Eckdaten die Lockesche „tabula rasa“ sind. Das Meiste, was einen Menschen ausmacht, ist nicht zwangsläufig von Anfang an „programmiert“. Vieles ist von der Umwelt abhängig, von Menschen und Erziehung. Nicht umsonst wenden wir etwa ein Drittel unserer Lebenszeit allein für die Ausbildung auf. Das führt mich zu der These, dass der entscheidende Faktor in der menschlichen Entwicklung die Bildung ist, natürlich nicht unbedingt in dem eingeengten Sinne von Schulbankdrücken und Lehrbuchgefasel. Mit Bildung meine ich eher die Möglichkeit und das nötige Handwerkszeug zu geben, sich zu einem selbständig denkenden und im besten Falle moralisch handelnden Individuum zu entwickeln. Natürlich ist davon auch das Erwerben von Fachwissen nicht ausgenommen, aber eine Beobachtung der Realität lässt erkennen, dass das, was für unsere Misere verantwortlich ist, weniger mit unserer Unwissenheit, umso mehr aber mit unserem mangelnden Verantwortungsbewusstsein zu tun hat. Wir wissen, dass unser Lebensstil die Erde über kurz oder lang aufreiben wird. Wir wissen, dass Atomkraft ein Potential birgt, dass in der Lage ist, uns und die gesamte Welt auszulöschen. Und wenn es uns einfällt, führen wir Krieg. Dennoch fahren wir jede noch so kleine Strecke mit dem Auto, kaufen Möbel aus Tropenholz und fischen die Meere leer. Dennoch ignorieren wir Katastrophen wie Tschernobyl und Fukushima und bauen Atomkraftwerke und -waffen. Und nicht nur unserer Umwelt sondern auch unserer eigenen Spezies zeigen wir die kalte Schulter. Während in der sogenannten zivilisierten westlichen Welt Überfluss und Verschwendung vorherrschen, lebt der Rest in kärglichen, unmenschlichen Zuständen.
Die Wissenschaft liefert uns dafür die Werkzeuge. Was uns offensichtlich fehlt ist das Werkzeug zur Selbstbeschränkung. Denn wenn wir uns bewusst machten, dass der Grundsatz „Überleben“ heißt, dann müsste uns auch aufgehen, dass wir dieser Maxime elementar zuwiderhandeln.
Daraus ergibt sich, dass wir nicht nur aus „Gutmenschentum“, obwohl das auch ein Ansporn sein kann, sondern schon im ureigenen, egoistischen Interesse beginnen sollten, uns am Riemchen zu reißen. Das wiederum erfordert, dass jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leistet und das setzt voraus, dass dieser Einzelne auch erkennt, dass er nicht nur anderen, sondern auch sich selbst einen Gefallen tut. Damit bin ich wieder an dem Punkt der Bildung angelangt. Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, heißt es. Das schwächste Glied ist in diesem Fall der Mensch, der nicht in der Lage oder bereit ist, Verantwortung in einem umfassenden Sinne zu übernehmen. Und in den weitaus meisten Fällen gehe ich davon aus, dass die Menschen einfach nicht bereit sind. Wenn man ihnen aber von kleinauf vor Augen führt, wie wichtig ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Mitwelt ist, dann denke ich, ist es möglich dieses Verantwortungsbewusstsein auch auf breiter Ebene zu etablieren. Menschen aber gewinnt man nicht durch Überredung oder gar Zwang, sondern durch Überzeugung. Viel schneller wird sich jeder Einzelne dazu bereit erklären, zu tun, was an Selbstbeschränkung und Taten notwendig ist, um nicht nur das Überleben des Menschen, sondern des gesamten Planeten zu sichern, wenn er es einsieht. Und nicht zuletzt die Geschichte, die so selten Schüler zu finden scheint, lehrt uns, dass etwas, das auf Verstehen gründet, länger währt, als alles, was erlogen oder erzwungen war. Das hat der Fall der Große-Geistverehrer genauso gezeigt, wie der damit einhergehende Umbruch in der Gesellschaft.
Nun sind andere Verhältnisse entstanden,in denen wir zwar den Organismus Erde und die menschliche Gesellschaft untersuchen, aber was uns immer noch fehlt, ist das Verständnis für etwas von solchen Ausmaßen. Und was wir nicht verstehen, das ignorieren wir gern. Was sich in solchen Dimensionen wie etwa 7 Mrd. Menschen abspielt, ist unbestritten schwer zu greifen, aber wenn wir diese große Zahl in Kontinente, Länder, Städte, Familien und schließlich Individuuen aufgliedern, dann werden sie plötzlich greifbar und man kann mit ihnen arbeiten. Der Ansatzpunkt ist das Individuum. Und wenn das Individuum begreift, dass Verantwortung kein von den „Erwachsenen“ erfundener Begriff ist, um kleine Kinder abzuschrecken, dann ist es möglich, dass mit jedem weiteren Menschen, der Verantwortung als eine individuelle Pflicht nicht nur sich und den ihn selbst betreffenden Entscheidungen, sondern der Welt an sich gegenüber begreift, dass sich die Probleme dieser Welt nahezu von selbst lösen. Aus dem einfachen Grund, dass das „Überlebe!“, das wir von Anfang an verinnerlicht haben, besser zu erfüllen ist, wenn daraus ein „Überlebt!“ wird. Ob man diese Devise nun von einem ominösen großen Geist, einer wissenschaftlichen Erkenntnis oder wovon auch sonst ableitet, ist dann unerheblich.
So viel zur Arbeitshypothese. Wem das etwas hochtrabend und hölzern vorkam, der mag damit nicht ganz falsch liegen. Mich beschlich dieser Gedanke auch bisweilen. Die hohen und teilweise unscharfen Ziele mögen aber durch einen bereits an anderer Stelle erwähnten Idealismus und eine oben stehende Jugendlichkeit entschuldigt werden. Gewisse Veränderungen und Präzisierungen sind letztlich nicht ausgeschlossen. Man lernt ja nie aus. In diesem Sinne wünsche ich allen einen offenen Geist.
Für manchen mag sich jetzt die Frage stellen, warum ausgerechnet 42? Diese Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten, bevor jetzt ein paar schlaue Füchse nachzählen, ich habe es bereits getan und bin, abzüglich der Einleitung auf eben diese Zahl gekommen. Der eigentliche Grund aber ist, dass ich mir als Fan der bekannten Romane von Douglas Adams schon länger vorgenommen hatte, die 42 entsprechend zu würdigen. Dies mag auch erklären, warum es so lange gedauert hat, von der 41 zur 42. Wie die anderen Kenner wissen, handelt es sich bei der Zahl 42 um die Antwort des riesigen Computers „Deep Thought“ auf die Frage aller Fragen, die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Nun bin ich keine riesige Rechenmaschine und bilde mir auch nicht ein, in meinem jungen Leben schon die Antwort auf diese Frage gefunden zu haben. Allerdings habe ich sagen wir mal eine für mich vorerst befriedigende „Arbeitshypothese“ für die Frage „Was soll ich tun?“ entwickelt. Diese will ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten, allein schon aus dem einfachen Grund, dass ich mich in solchen Dingen immer mitteilen muss.
Tja, so hätte die Einleitung für diesen Blogeintrag lauten können, wäre da nicht dieser aktuelle Anlass gewesen, der mir einen Strich durch die schöne Rechnung gemacht hat. Wie dem auch sei, ich habe mich trotzdem entschieden, sie zu behalten, obgleich die Rechnung nun nicht länger aufgeht. Viel wichtiger als die Einleitung, die ja nur die Aufmerksamkeit eines arglosen Lesers binden soll, ist ja der Inhalt.
Wie bereits ausgeführt, handelt es sich dabei diesmal um den Versuch, eine Arbeitshypothese zu finden, die einen Ansatz bietet, mit diesem Leben, in das wir alle hineingeworfen sind, umzugehen.
Da dieses Unterfangen ohne Frage eine gewisse Breite erfordert, ist es schwierig einen passenden Einstieg zu finden. Ich versuche es wie folgt:
Bereits zu Beginn unserer Entstehungsgeschichte, ja seit Beginn des Lebens an sich, hat sich eine Grundregel etabliert, die sozusagen systemrelevant ist. Wer diese nicht befolgt, ist heute allenfalls noch in Naturkundemuseen zu sehen oder unter vielen Gesteinslagen vergraben. Die Regel heißt „Überlebe!“. Simpel und einprägsam, hat sie dazu geführt, dass sich das Leben so entwickelt hat, wie wir es heute bestaunen können. Später haben Einige behauptet, es gebe einen ominösen großen Geist, der die Welt geschaffen habe, mit allem, was darauf zu finden ist. Außerdem fingen diese Leute an, diejenigen Leute, die an andere ominöse große Geister glaubten, zu bekriegen, um sie davon zu überzeugen, dass es deren ominösen großen Geist nicht gibt.
Andere haben sich überlegt, dass es eher etwas mit einer sich selbst fortschreibenden Geschichte zu tun hat, die man unter anderem mit der Formel „survival of the fittest“ beschreiben kann. Dass auch diese um Konflikte mit den ominösen Große-Geistliebhabern nicht herumgekommen sind, ist fast selbstredend. Wieder andere waren so begeistert von dieser Idee, dass sie daraufhin anfingen, die in ihren Augen weniger fitten auszurotten. Glücklicherweise fanden sich noch andere, die diese aufgehalten haben. Bereits an dieser Stelle werden drei bis vier Dinge über uns Menschen deutlich:
1. Wir haben Phantasie.
2. Wir sind bereit, für unsere Luftschlösser zu kämpfen.
3. Wir haben eine Begabung zur Vernunft.
4. Wir sind hin und wieder im Irrtum.
Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass wir trotz aller Irrtümer und Fehltritte ein Erfolgsmodell der Natur darstellen, ohne daraus bereits diverse andere Schlüsse zu ziehen. Hinzu kommt aber, dass wir aufgrund unseres Erfolges auch entsprechend große Irrtümer und Fehltritte begehen. Zu Zeiten als noch die Große-Geistverehrer das Sagen hatten, waren es noch solche, die sich vornehmlich auf uns, unseren Nächsten und die jeweilige Heimstatt beschränkt haben. Seit die Leute mit Ideen wie dem „survival of the fittest“ an Einfluss gewonnen haben, sind die Folgen unserer Fehler weitaus großflächiger, nicht länger auf einen kleinen Bereich oder einen kleinen Zeitraum beschränkt.
Eine weitere grundlegende Feststellung ist für mich, dass wir Menschen abgesehen von einigen Eckdaten die Lockesche „tabula rasa“ sind. Das Meiste, was einen Menschen ausmacht, ist nicht zwangsläufig von Anfang an „programmiert“. Vieles ist von der Umwelt abhängig, von Menschen und Erziehung. Nicht umsonst wenden wir etwa ein Drittel unserer Lebenszeit allein für die Ausbildung auf. Das führt mich zu der These, dass der entscheidende Faktor in der menschlichen Entwicklung die Bildung ist, natürlich nicht unbedingt in dem eingeengten Sinne von Schulbankdrücken und Lehrbuchgefasel. Mit Bildung meine ich eher die Möglichkeit und das nötige Handwerkszeug zu geben, sich zu einem selbständig denkenden und im besten Falle moralisch handelnden Individuum zu entwickeln. Natürlich ist davon auch das Erwerben von Fachwissen nicht ausgenommen, aber eine Beobachtung der Realität lässt erkennen, dass das, was für unsere Misere verantwortlich ist, weniger mit unserer Unwissenheit, umso mehr aber mit unserem mangelnden Verantwortungsbewusstsein zu tun hat. Wir wissen, dass unser Lebensstil die Erde über kurz oder lang aufreiben wird. Wir wissen, dass Atomkraft ein Potential birgt, dass in der Lage ist, uns und die gesamte Welt auszulöschen. Und wenn es uns einfällt, führen wir Krieg. Dennoch fahren wir jede noch so kleine Strecke mit dem Auto, kaufen Möbel aus Tropenholz und fischen die Meere leer. Dennoch ignorieren wir Katastrophen wie Tschernobyl und Fukushima und bauen Atomkraftwerke und -waffen. Und nicht nur unserer Umwelt sondern auch unserer eigenen Spezies zeigen wir die kalte Schulter. Während in der sogenannten zivilisierten westlichen Welt Überfluss und Verschwendung vorherrschen, lebt der Rest in kärglichen, unmenschlichen Zuständen.
Die Wissenschaft liefert uns dafür die Werkzeuge. Was uns offensichtlich fehlt ist das Werkzeug zur Selbstbeschränkung. Denn wenn wir uns bewusst machten, dass der Grundsatz „Überleben“ heißt, dann müsste uns auch aufgehen, dass wir dieser Maxime elementar zuwiderhandeln.
Daraus ergibt sich, dass wir nicht nur aus „Gutmenschentum“, obwohl das auch ein Ansporn sein kann, sondern schon im ureigenen, egoistischen Interesse beginnen sollten, uns am Riemchen zu reißen. Das wiederum erfordert, dass jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leistet und das setzt voraus, dass dieser Einzelne auch erkennt, dass er nicht nur anderen, sondern auch sich selbst einen Gefallen tut. Damit bin ich wieder an dem Punkt der Bildung angelangt. Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, heißt es. Das schwächste Glied ist in diesem Fall der Mensch, der nicht in der Lage oder bereit ist, Verantwortung in einem umfassenden Sinne zu übernehmen. Und in den weitaus meisten Fällen gehe ich davon aus, dass die Menschen einfach nicht bereit sind. Wenn man ihnen aber von kleinauf vor Augen führt, wie wichtig ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Mitwelt ist, dann denke ich, ist es möglich dieses Verantwortungsbewusstsein auch auf breiter Ebene zu etablieren. Menschen aber gewinnt man nicht durch Überredung oder gar Zwang, sondern durch Überzeugung. Viel schneller wird sich jeder Einzelne dazu bereit erklären, zu tun, was an Selbstbeschränkung und Taten notwendig ist, um nicht nur das Überleben des Menschen, sondern des gesamten Planeten zu sichern, wenn er es einsieht. Und nicht zuletzt die Geschichte, die so selten Schüler zu finden scheint, lehrt uns, dass etwas, das auf Verstehen gründet, länger währt, als alles, was erlogen oder erzwungen war. Das hat der Fall der Große-Geistverehrer genauso gezeigt, wie der damit einhergehende Umbruch in der Gesellschaft.
Nun sind andere Verhältnisse entstanden,in denen wir zwar den Organismus Erde und die menschliche Gesellschaft untersuchen, aber was uns immer noch fehlt, ist das Verständnis für etwas von solchen Ausmaßen. Und was wir nicht verstehen, das ignorieren wir gern. Was sich in solchen Dimensionen wie etwa 7 Mrd. Menschen abspielt, ist unbestritten schwer zu greifen, aber wenn wir diese große Zahl in Kontinente, Länder, Städte, Familien und schließlich Individuuen aufgliedern, dann werden sie plötzlich greifbar und man kann mit ihnen arbeiten. Der Ansatzpunkt ist das Individuum. Und wenn das Individuum begreift, dass Verantwortung kein von den „Erwachsenen“ erfundener Begriff ist, um kleine Kinder abzuschrecken, dann ist es möglich, dass mit jedem weiteren Menschen, der Verantwortung als eine individuelle Pflicht nicht nur sich und den ihn selbst betreffenden Entscheidungen, sondern der Welt an sich gegenüber begreift, dass sich die Probleme dieser Welt nahezu von selbst lösen. Aus dem einfachen Grund, dass das „Überlebe!“, das wir von Anfang an verinnerlicht haben, besser zu erfüllen ist, wenn daraus ein „Überlebt!“ wird. Ob man diese Devise nun von einem ominösen großen Geist, einer wissenschaftlichen Erkenntnis oder wovon auch sonst ableitet, ist dann unerheblich.
So viel zur Arbeitshypothese. Wem das etwas hochtrabend und hölzern vorkam, der mag damit nicht ganz falsch liegen. Mich beschlich dieser Gedanke auch bisweilen. Die hohen und teilweise unscharfen Ziele mögen aber durch einen bereits an anderer Stelle erwähnten Idealismus und eine oben stehende Jugendlichkeit entschuldigt werden. Gewisse Veränderungen und Präzisierungen sind letztlich nicht ausgeschlossen. Man lernt ja nie aus. In diesem Sinne wünsche ich allen einen offenen Geist.
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