Donnerstag, 1. März 2012

Manchmal...

Manchmal braucht es nur die richtige Umgebung und die Gedanken bewegen sich von allein so sehr, wie man es manchmal nicht durch Anstrengung bewirkt.

Von außen sah es aus wie einer dieser riesigen Glaskästen, die einem das Gefühl betonter Modernität vermitteln, und bei mir immer auf eine gewisse Abwehrreaktion gestoßen sind. Auch der Eingangsbereich wirkte eher wie die Eingangshalle eines Bahnhofs oder einer dieser geschniegelten Banken, inklusive des dort anzutreffenden geschäftigen Treibens. Nur das übergroße Goetheportrait vermittelte mir einen ersten Eindruck davon, dass ich mich weder im einen, noch im anderen befand. Ein Blick nach oben zeigte mir, dass vier Etagen über mir darauf warteten, genauer untersucht zu werden.

Nachdem ich die Einlassformalitäten hinter mich gebracht hatte, namentlich die Ablage der mitgebrachten Tasche und Jacke in einem Spint, begab ich mich in das dritte Obergeschoss, das vorläufige Ziel meines Besuchs. Die hölzernen Stufen waren abgewetzt und blank poliert von all den Füßen, die sie jeden Tag auf dem Weg nach oben und nach unten betraten. Oben war es viel ruhiger, obgleich hier nicht viel weniger Menschen unterwegs waren, als am Eingang. Der Raum war groß, mit Teppich ausgelegt, im Gegensatz zum steinernen Boden im Erdgeschoss. Er dämpfte meine Schritte und ich ließ meinen Blick über die Einrichtung schweifen, ein paar Rechner und viele, sehr viele Regale. Die Außenwände ließen das Tageslicht herein, das als erstes auf Tischreihen an den Raumseiten traf. Als ich zwischen die Regale trat, hatte ich das Wort vom "säkularen Gewisper der Bücher" von Umberto Eco im Ohr.
Und je länger ich in der Bibliothek saß, je länger ich in den Werken blätterte, die mir für meine Arbeit vielversprechend erschienen, desto mehr konnte ich nachvollziehen, was er wohl gemeint haben könnte.

Jeder neue Gang, der mich zwischen die Regale führte, ließ mich das Gefühl spüren, dass sonst immer beim Blick in den Sternenhimmel, auf dem Meer oder am Fuß großer Berge auftauchen soll, das Gefühl, dass man selbst nicht einmal einen Fingerhut voll dessen erfahren hat, was die Welt ausmacht. Den ganzen Tag lang las ich und je länger ich las, desto deutlicher wurde mir, wie viel mehr es zu lesen gab. Jeder neue Tag verging wie im Flug und trotzdem hatte ich das Gefühl, wieder ein wenig weiter fortgeschritten zu sein als am Abend zuvor. So viele Bücher, neue wie alte auf einem Fleck und diese allumfassende Ruhe machten diesen Ort zu einem Platz, an dem ich mich so gern aufhielt, wie kaum an einem zweiten sonst. Am Anfang war mir eine ganze Woche lang erschienen, doch hinterher verging sie in einer rasenden Geschwindigkeit. Zum Glück habe ich noch ein paar Jahre vor mir, in denen ich noch mehr Zeit an einem solchen Ort verbringen kann.

Mittlerweile habe ich auch eine neue Idee zur Glasfassade, die mir besser gefällt. Mit der Glasfassade ist es wie mit einem guten Buch: Der Umschlag lässt jemanden einen Blick auf den Inhalt werfen, es steht ihm danach frei, hineinzutreten oder nicht. Wenn man aber Ersteres tut, wird einem erst dann bewusst, dass es drinnen noch viel größer ist, als einen der Umschlag vermuten ließ.

Freitag, 10. Februar 2012

Warum hast Du so einen roten Fleck auf der Stirn?

Hier sitze ich nun zwischen meinen Klausurvorbereitungen, aber was mich wirklich beschäftigt, dass spielt sich woanders ab.

Nicht nur dass wir uns mit beratungsresistenten Akteuren im Finanzmarkt herumschlagen müssen, nein, auch die Politik nimmt zunehmend deren Habitus an, ja, scheint sich gerade zu danach zu sehnen, nicht länger Verantwortung für die Gemeinschaft, sondern eher für sich selbst zu übernehmen. Ein vor sich hin scheidender Bundespräsident, der zwar nichts nachweislich Illegales tat, aber sicherlich nicht "geradlinig" gehandelt hat. Nein, im Gegenteil, das Amt, das er bekleidet, hat er so sehr in Verruf gebracht wie lang niemand mehr. Obwohl das eigentlich nicht stimmt, denn was er in Verruf bringt, das ist seine Person selbst. Das Amt leidet aber auch darunter, denn zunächst wurde es von einem zurückhaltenden Amtsträger ausgeübt, der dann zu allem Überfluss nicht einmal seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird, nicht nur das, sondern sogar auch noch in aller Öffentlichkeit wortbrüchig wird, wenn er nicht gerade zu den Vorwürfen schweigt. Zunächst verspricht er eine vollständige Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen der Presse, dann aber lässt er nur eine Zusammenfassung veröffentlichen, man beachte: lässt.

Und noch etwas beschäftigt mich. Es ist noch nicht lange her, da nahm die Weltöffentlichkeit mit einiger Überraschung die Enthaltung der Bundesrepublik in Sachen Libyen auf und nun plustert sich unser Außenminister auf, wenn, wie nicht anders erwartet, Russland und China ihr Veto gegen eine UN-Resolution zum Thema Syrien verkünden. Eine in der Tat herbe Schlappe, aber doch keine Überraschung, wo sich doch deutlich abzeichnet, dass die UN kaum handlungsfähig sein kann, wenn zwei Staaten, die die Menschenrechte nicht allzu weit oben auf ihrer Agenda tragen, mit ihrer Stimme das Gremium blockieren können. Russland scheint doch noch nicht gänzlich über die Vergangenheit hinweggekommen zu sein, zumindest lassen die Vorwürfe Putins nach den Aufständen nach der Duma-Wahl, diese seien von den USA inszeniert worden, darauf schließen. Und so müssen wir uns ein hämisches Grinsen des Assad-Regimes gefallen lassen, das es als eine Schlappe der westlichen und arabischen Verschwörer bezeichnet, wenn die geballte Macht der Weltöffentlichkeit verpufft. In einem hat Syriens derzeitige Führung recht: Es ist eine Schlappe, aber nicht für eine ominöse Verschwörung, sondern für eine Politik, die sich nicht allein von "politischer Taktik", sondern vielmehr von Idealen leiten lässt, wie die Menschenrechte nun mal eigentlich welche darstellen sollten.

Aber woher soll diese in Zeiten kommen, in denen der Westen schon mit sich selbst mehr als genug beschäftigt ist, weil er es nicht fertigbringt, sich vom Götzenbild Markt und seinem Propheten Wachstum zu lösen. Wir mögen den religiösen Mythos der Antike und des Mittelalters überwunden haben, aber wir haben das mythologische Denken nicht verlernt, sondern uns nur neuen Ammenmärchen zugewandt, die noch dazu nur wenigen tröstlich erscheinen dürften.

Mittwoch, 16. November 2011

In nomine occupy?

Eigentlich sollte es um das neue Verständnis des Begriffs "Mythos" Ende des 18. Jahrhunderts gehen. Was mich aber an diesem Vorlesungstag wirklich zum Nachdenken anregte, war das beiläufig erwähnte Werk David Humes "Naturgeschichte der Religion", in dem er sich mit der Entwicklung der Religion beschäftigt, die sich vom Polytheismus hin zum Monotheismus entwickelt hat. Seine These: Parallel zur Entwicklung des Menschen vollzieht sich eine schon ebenfalls biologisch anmutende Entwicklung der Religion. Aus der Urbarbarei erblüht der Polytheismus, der irgendwann seinerseits verwelkt und Raum für den Monotheismus schafft. Der sich hier anschließende Gedankengang meinerseits sah etwa wie folgt aus:

Wozu gibt es eigentlich Götter? Nun, ähnlich wie der Gott haben sie die Aufgabe, die Welt am Laufen bzw. zusammenzuhalten. Neben dieser numinosen, ein wenig schwer fassbaren Autorität hat sich der Mensch außerdem vorgestellt, dass es vielleicht ganz nützlich sein könnte, eine weltliche Instanz zu haben, die sein Leben, je nach Form mehr oder minder lenkt. Die einzige Beziehung zwischen diesen beiden Autoritäten wäre also zunächst mal eine ähnliche Aufgabe. Es scheint ja doch recht vernünftig, erstmal ein ganzes Pantheon mit einer so großen Aufgabe, die Erde in Schwung zu halten, zu betrauen. Es gibt schließlich so Einiges zu tun. Von so weitläufigen Pflichten wie Gewitter oder Gezeiten erzeugen, den Sonnenzyklus herbeizuführen, Liebe, Täuschung, usw. in die Welt zu tragen, bis hin zu so eng definierten Aufgabenfeldern wie Verkörperung eines Flusses, kurz für eigentlich alle der, grobgeschätzt, 243.978.239 Aufgaben in der Welt braucht man eine zuständige Gottheit.

Wenn ich mir die Fülle dieser Aufgaben mal so vor Augen führe, wer ist denn bitteschön darauf gekommen, all das einem einzigen Gott, und sei er noch so allmächtig, aufbürden zu wollen? Tja, die Christen haben's getan, obwohl das da mit dem Monotheismus ja auch nicht so genau genommen wird. Findet zumindest Hume, der als Beispiel die Verehrung der Jungfrau Maria besonders im Katholizismus oder des St. Nikolaus in Russland anführt. Na gut, ein Grund könnte natürlich Bequemlichkeit gewesen sein. Schließlich waren die griechischen, genauso wie alle anderen Götter nicht unbedingt für ihre Barmherzigkeit und Allgüte, geschweige denn für ihre Zurückhaltung bei der Forderung von Opfergaben bekannt. Vielleicht hat es den Menschen einfach irgendwann gereicht, ständig auf 'zigtausende Altäre Gaben zu tragen, ohne überhaupt sicher sein zu können, dass ihnen die Angebeteten hernach wohlgesonnen waren. Nein, launisch waren die Biester ja auch noch, eben noch steht Zeus hinter dir und hält, was auch immer da kommen möge, mit Blitzen von dir fern, und im nächsten Moment kriegst du besagten Blitz selbst in den Rücken, weil du blöderweise vergessen hast, ihm mal wieder was auf den Altar zu schmeißen.
Ganz abgesehen davon, dass mit der Einführung eines Gottes, der sich größtenteils aus den Angelegenheiten seiner Anhänger heraushält, sich ja auch ganz neue Möglichkeiten ergeben. Nicht zuletzt die Aufgaben und der Zuständigkeitsbereich der weltlichen Autorität wachsen, was zumindest bei diesen Autoritäten dazu geführt haben dürfte, dass das, was früher verschwenderischerweise auf dem Altar und im Opferfeuer gelandet ist, nun auf den eigenen Tisch kommt. So gesehen, ein kluger Schachzug das mit dem Christentum.

Tja, aber auch bei Humes Tagen von Christentum und Gottesgnadentum sind wir nicht stehen geblieben, nein, kein Organismus lebt ewig. Denn auch dieser eine Gott hat sich gründlich unbeliebt gemacht. Besonders bei einer bestimmten Berufsgruppe, die es irgendwann leid war, für jede frei geäußerte Meinung mit eigens dafür erdachten Instrumenten gepiesackt oder bis zur Letalität auf den eigentlich schon ausrangierten Altären mit Opferfeuer erhitzt zu werden. Von irgendwelchen Spinnern, die ihrerseits der Meinung waren, dass das Geäußerte mit Sicherheit nicht der Meinung ihres unsichtbaren Freundes entspräche. Es folgt also auf den Monotheismus der Atheismus. Heute ist unsere Welt so weit säkularisiert, dass, ich möchte behaupten, fast überall der oder die Götter ihre Zuständigkeit an weltliche Instanzen abgegeben haben. Was einerseits bedeutet, dass "die-da-ganz-oben" sich mittlerweile einen lauen Lenz machen, andererseits aber, dass für alles, von dem wir nicht mittlerweile wissen, das es von allein läuft, "die-da-oben" zuständig sind. Es handelt sich nach sorgfältiger Schätzung meinerseits noch um etwa 243.578.234 Pflichten, die nach Abzug der automatisch funktionierenden Dinge, in der Welt noch zu tun übrig bleiben.

Der Knackpunkt ist, dass mittlerweile auch die weltliche Regierung bei den Menschen nicht mehr sonderlich gut ankommt, wie sich vielerorts schon feststellen lässt. Die Frage lautet: Was kommt dann? Denn obgleich ich mich immer wieder freue, zu sehen, dass es nicht nur offensichtlich noch Menschen gibt, die eine politische Meinung haben, sondern dass einige sogar bereit sind, für selbige auf die Straße zu gehen, frage ich mich auch, ob es denn so sinnvoll ist, wie viele fordern, solchen Bewegungen in Zukunft unsere Zukunft anzuvertrauen. Wir rufen uns ins Gedächtnis: Ein ganzes Pantheon hat die exakt berechnete Anzahl von 243.578.234 Aufgaben in der Welt nicht zu unserer Zufriedenheit (!)beweltigen können, der wenigstens noch allmächtige eine Nachfolger hat es auch vergeigt und obgleich sie geschickt taktiert hat, ist von der anfänglichen Euphorie für unsere menschlich-fehlbare Regierung auch nicht mehr viel zu spüren. Ist schon paradox, dass das jetzt die Leute auf der Straße regeln sollen. Obwohl, wer weiß... Erwin Pelzig hat vor nicht allzu langer Zeit gesagt, er sei gespannt, was nach der Krise komme. Ich glaube, ich auch.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Neu

Es kommt mir noch wie gestern vor, als ich von meinem geliebten kleinen Dorf in ein vielfach größeres Dorf ziehen musste und ich meine Freunde furchtbar vermisste. Doch kaum hatte ich mich in dem größeren Dorf eingelebt, ging es schon wieder weiter. Seit ein paar Wochen nun schon wohne ich in einer WG mit drei Freunden und freu' mich auf das Studium.

Mitte September sattelten wir die sprichwörtlichen Pferde und zogen weiter. Ganze vier Autostunden von der alten Heimat entfernt schlugen wir unsere neuen Zelte auf. Und tatsächlich schienen mir die ersten Tage eher wie ein Camping-Urlaub als ein Neuanfang. Nur mit mehr Kartons. Überall Kartons, Kästen, Möbel und Kleidung, die es beim Versuch, ihnen einen neuen Platz zu geben, zu umschiffen galt, während man mit weiteren Kartons beladen steile Treppenhäuser zu erklimmen hatte. Das erste Abendessen bestand, wie ich mir sagen lassen habe, aus ganz typischem Studentenfutter: Lieferpizza. Zu meiner bzw. unser aller Entschuldigung sei vorgebracht, dass wir in dem Sinne noch keine Küche besaßen, die sollte nämlich in dieser Woche kommen. Da waren sie also schon dahin meine schönen Vorsätze zur Selbstbetätigung in der Küche...

In all dem Chaos tauchte aber neben mehreren Töpfen, Kochbesteck, und so viel Besteck und Geschirr, dass jeder Ehestreit , der auf verbalem Wege nicht länger zu lösen zu sein scheint, sich bei uns mehrere Wochen mit Munition versorgen könnte, auch eine mobile Kochplatte auf, sodass wir bereits am zweiten Abend selbstgekochte Speisen zu uns nehmen konnten. Ein Hoch auf die Saucierkünste meines Vaters. Die Ausstattung für unsere ersten Nudeln im neuen Zuhause sammelte sich in einem riesigen Überlebens-Kit, das sich zwischen den Kartonbergen eines unserer Mitbewohner fand. Das hatte wohl eine fürsorgliche Mutter geschnürt, um wenigstens die erste Woche das Überleben ihres Sohnes und seiner drei Mitbewohner ohne jegliche Versorgung von außen zu gewährleisten. Schließlich befinden wir uns jetzt im Osten und da weiß man ja nie, demzufolge überrascht auch der große Anteil der Bananen nicht länger... Entgegen aller Ostklischees allerdings entpuppte sich unsere Versorgungslage hier geradezu als ideal.

Und umso mehr die Gebirge an Ausrüstung und Verpflegung langsam schrumpften, desto wohnlicher wurde die Wohnung. So kam es, dass wir schließlich jeder ein kleines gemütliches Domizil unser Eigen nennen durften. Mit tatkräftiger Unterstützung der einzelnen Mitbewohner wurde auch mein Zimmer, das gleichzeitig unser Gemeinschaftszimmer ist, anfangs aber eher einer Lagerhalle glich, zum beliebten Treffpunkt. Während und nach den wichtigsten Arbeiten in der Wohnung galt es auch noch Telefonseelsorge bei den Eltern, die interessiert und zugleich ein wenig besorgt um die Überlebenskünste ihrer jungen Sprößlinge waren, zu betreiben.

Endlich war die Wohnung soweit eingerichtet, dass man nicht länger um und über etwaige Hindernisse steigen musste und wir betraten Neuland: Jena. Je länger ich diese Stadt nun bewohne und je mehr ich davon sehe, desto mehr gefällt sie mir. Gerade in den letzten Tagen, in denen ich staunend mit meinen zukünftigen Komilitonen von unseren Fachschaftsstudenten durch die Stadt zu den wichtigsten Einrichtungen unseres universitären und Studentenlebens geführt wurden, habe ich mich davon überzeugen lassen dürfen, dass ich es besser kaum hätte treffen können.

Umso mehr freue ich mich nun auf mein Studium und die kommenden Jahre, denn auch wenn ich schon wieder einmal meinen Standpunkt wechseln musste, so eröffnet ein solcher Wechsel doch immer auch neue Perspektiven.

Dienstag, 12. Juli 2011

Zu kurz

Leider gibt es in letzter Zeit nicht Vieles, das wenigstens meinen Ansrpüchen genügt, um auf diesem Blog zu erscheinen. Ohne Zweifel jedoch war das RockHarz Festival 2011, auf dem ich mich vom 6. bis 10. Juli befand, gleichzeitig meine Festival-Taufe, ein echtes Erlebnis.

Erstaunlicherweise verliefen sowohl Hin-, als auch Rückfahrt ohne Komplikationen, was bei uns sonst eher selten der Fall ist. Viel wichtiger war natürlich das Festival selbst, das uns drei ganze Tage mit Live-Musik versorgte, die diesen Titel tatsächlich noch verdient. Neben einigen mir bereits bekannten Bands, waren umso mehr mir vorher unbekannte dabei, und einige aus dieser Menge sind mir überaus positiv in Erinnerung geblieben. Auch der Camp-Alltag war sehr schön, abgesehen von einigen kleineren und größeren Pannen (nachzulesen auf: http://spinken.blog.de/2011/07/11/rhz2011-11467249/ ). Besonders die erste abendfüllende Unterhaltung, die sich bis in die frühen Morgenstunden zog (vier Stunden Schlaf sind völlig ausreichend...fast), hat und wird mir zu Denken geben. Vielen Dank an die, die dabei waren. Nun bleibt mir nur noch ein Fazit zu ziehen: Das Festival war, wie dieser Eintrag, viel zu kurz.

Zum Abschluss ein Ohrwurm, der mich, seit ich ihn live hörte, nicht mehr loslässt:
http://www.youtube.com/watch?v=MtOuHmzvZ5Y

Freitag, 27. Mai 2011

42

Herzlich willkommen zum 42. Eintrag meines Blogs!
Für manchen mag sich jetzt die Frage stellen, warum ausgerechnet 42? Diese Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten, bevor jetzt ein paar schlaue Füchse nachzählen, ich habe es bereits getan und bin, abzüglich der Einleitung auf eben diese Zahl gekommen. Der eigentliche Grund aber ist, dass ich mir als Fan der bekannten Romane von Douglas Adams schon länger vorgenommen hatte, die 42 entsprechend zu würdigen. Dies mag auch erklären, warum es so lange gedauert hat, von der 41 zur 42. Wie die anderen Kenner wissen, handelt es sich bei der Zahl 42 um die Antwort des riesigen Computers „Deep Thought“ auf die Frage aller Fragen, die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Nun bin ich keine riesige Rechenmaschine und bilde mir auch nicht ein, in meinem jungen Leben schon die Antwort auf diese Frage gefunden zu haben. Allerdings habe ich sagen wir mal eine für mich vorerst befriedigende „Arbeitshypothese“ für die Frage „Was soll ich tun?“ entwickelt. Diese will ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten, allein schon aus dem einfachen Grund, dass ich mich in solchen Dingen immer mitteilen muss.

Tja, so hätte die Einleitung für diesen Blogeintrag lauten können, wäre da nicht dieser aktuelle Anlass gewesen, der mir einen Strich durch die schöne Rechnung gemacht hat. Wie dem auch sei, ich habe mich trotzdem entschieden, sie zu behalten, obgleich die Rechnung nun nicht länger aufgeht. Viel wichtiger als die Einleitung, die ja nur die Aufmerksamkeit eines arglosen Lesers binden soll, ist ja der Inhalt.

Wie bereits ausgeführt, handelt es sich dabei diesmal um den Versuch, eine Arbeitshypothese zu finden, die einen Ansatz bietet, mit diesem Leben, in das wir alle hineingeworfen sind, umzugehen.
Da dieses Unterfangen ohne Frage eine gewisse Breite erfordert, ist es schwierig einen passenden Einstieg zu finden. Ich versuche es wie folgt:
Bereits zu Beginn unserer Entstehungsgeschichte, ja seit Beginn des Lebens an sich, hat sich eine Grundregel etabliert, die sozusagen systemrelevant ist. Wer diese nicht befolgt, ist heute allenfalls noch in Naturkundemuseen zu sehen oder unter vielen Gesteinslagen vergraben. Die Regel heißt „Überlebe!“. Simpel und einprägsam, hat sie dazu geführt, dass sich das Leben so entwickelt hat, wie wir es heute bestaunen können. Später haben Einige behauptet, es gebe einen ominösen großen Geist, der die Welt geschaffen habe, mit allem, was darauf zu finden ist. Außerdem fingen diese Leute an, diejenigen Leute, die an andere ominöse große Geister glaubten, zu bekriegen, um sie davon zu überzeugen, dass es deren ominösen großen Geist nicht gibt.
Andere haben sich überlegt, dass es eher etwas mit einer sich selbst fortschreibenden Geschichte zu tun hat, die man unter anderem mit der Formel „survival of the fittest“ beschreiben kann. Dass auch diese um Konflikte mit den ominösen Große-Geistliebhabern nicht herumgekommen sind, ist fast selbstredend. Wieder andere waren so begeistert von dieser Idee, dass sie daraufhin anfingen, die in ihren Augen weniger fitten auszurotten. Glücklicherweise fanden sich noch andere, die diese aufgehalten haben. Bereits an dieser Stelle werden drei bis vier Dinge über uns Menschen deutlich:
1. Wir haben Phantasie.
2. Wir sind bereit, für unsere Luftschlösser zu kämpfen.
3. Wir haben eine Begabung zur Vernunft.
4. Wir sind hin und wieder im Irrtum.

Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass wir trotz aller Irrtümer und Fehltritte ein Erfolgsmodell der Natur darstellen, ohne daraus bereits diverse andere Schlüsse zu ziehen. Hinzu kommt aber, dass wir aufgrund unseres Erfolges auch entsprechend große Irrtümer und Fehltritte begehen. Zu Zeiten als noch die Große-Geistverehrer das Sagen hatten, waren es noch solche, die sich vornehmlich auf uns, unseren Nächsten und die jeweilige Heimstatt beschränkt haben. Seit die Leute mit Ideen wie dem „survival of the fittest“ an Einfluss gewonnen haben, sind die Folgen unserer Fehler weitaus großflächiger, nicht länger auf einen kleinen Bereich oder einen kleinen Zeitraum beschränkt.

Eine weitere grundlegende Feststellung ist für mich, dass wir Menschen abgesehen von einigen Eckdaten die Lockesche „tabula rasa“ sind. Das Meiste, was einen Menschen ausmacht, ist nicht zwangsläufig von Anfang an „programmiert“. Vieles ist von der Umwelt abhängig, von Menschen und Erziehung. Nicht umsonst wenden wir etwa ein Drittel unserer Lebenszeit allein für die Ausbildung auf. Das führt mich zu der These, dass der entscheidende Faktor in der menschlichen Entwicklung die Bildung ist, natürlich nicht unbedingt in dem eingeengten Sinne von Schulbankdrücken und Lehrbuchgefasel. Mit Bildung meine ich eher die Möglichkeit und das nötige Handwerkszeug zu geben, sich zu einem selbständig denkenden und im besten Falle moralisch handelnden Individuum zu entwickeln. Natürlich ist davon auch das Erwerben von Fachwissen nicht ausgenommen, aber eine Beobachtung der Realität lässt erkennen, dass das, was für unsere Misere verantwortlich ist, weniger mit unserer Unwissenheit, umso mehr aber mit unserem mangelnden Verantwortungsbewusstsein zu tun hat. Wir wissen, dass unser Lebensstil die Erde über kurz oder lang aufreiben wird. Wir wissen, dass Atomkraft ein Potential birgt, dass in der Lage ist, uns und die gesamte Welt auszulöschen. Und wenn es uns einfällt, führen wir Krieg. Dennoch fahren wir jede noch so kleine Strecke mit dem Auto, kaufen Möbel aus Tropenholz und fischen die Meere leer. Dennoch ignorieren wir Katastrophen wie Tschernobyl und Fukushima und bauen Atomkraftwerke und -waffen. Und nicht nur unserer Umwelt sondern auch unserer eigenen Spezies zeigen wir die kalte Schulter. Während in der sogenannten zivilisierten westlichen Welt Überfluss und Verschwendung vorherrschen, lebt der Rest in kärglichen, unmenschlichen Zuständen.
Die Wissenschaft liefert uns dafür die Werkzeuge. Was uns offensichtlich fehlt ist das Werkzeug zur Selbstbeschränkung. Denn wenn wir uns bewusst machten, dass der Grundsatz „Überleben“ heißt, dann müsste uns auch aufgehen, dass wir dieser Maxime elementar zuwiderhandeln.

Daraus ergibt sich, dass wir nicht nur aus „Gutmenschentum“, obwohl das auch ein Ansporn sein kann, sondern schon im ureigenen, egoistischen Interesse beginnen sollten, uns am Riemchen zu reißen. Das wiederum erfordert, dass jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leistet und das setzt voraus, dass dieser Einzelne auch erkennt, dass er nicht nur anderen, sondern auch sich selbst einen Gefallen tut. Damit bin ich wieder an dem Punkt der Bildung angelangt. Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, heißt es. Das schwächste Glied ist in diesem Fall der Mensch, der nicht in der Lage oder bereit ist, Verantwortung in einem umfassenden Sinne zu übernehmen. Und in den weitaus meisten Fällen gehe ich davon aus, dass die Menschen einfach nicht bereit sind. Wenn man ihnen aber von kleinauf vor Augen führt, wie wichtig ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Mitwelt ist, dann denke ich, ist es möglich dieses Verantwortungsbewusstsein auch auf breiter Ebene zu etablieren. Menschen aber gewinnt man nicht durch Überredung oder gar Zwang, sondern durch Überzeugung. Viel schneller wird sich jeder Einzelne dazu bereit erklären, zu tun, was an Selbstbeschränkung und Taten notwendig ist, um nicht nur das Überleben des Menschen, sondern des gesamten Planeten zu sichern, wenn er es einsieht. Und nicht zuletzt die Geschichte, die so selten Schüler zu finden scheint, lehrt uns, dass etwas, das auf Verstehen gründet, länger währt, als alles, was erlogen oder erzwungen war. Das hat der Fall der Große-Geistverehrer genauso gezeigt, wie der damit einhergehende Umbruch in der Gesellschaft.

Nun sind andere Verhältnisse entstanden,in denen wir zwar den Organismus Erde und die menschliche Gesellschaft untersuchen, aber was uns immer noch fehlt, ist das Verständnis für etwas von solchen Ausmaßen. Und was wir nicht verstehen, das ignorieren wir gern. Was sich in solchen Dimensionen wie etwa 7 Mrd. Menschen abspielt, ist unbestritten schwer zu greifen, aber wenn wir diese große Zahl in Kontinente, Länder, Städte, Familien und schließlich Individuuen aufgliedern, dann werden sie plötzlich greifbar und man kann mit ihnen arbeiten. Der Ansatzpunkt ist das Individuum. Und wenn das Individuum begreift, dass Verantwortung kein von den „Erwachsenen“ erfundener Begriff ist, um kleine Kinder abzuschrecken, dann ist es möglich, dass mit jedem weiteren Menschen, der Verantwortung als eine individuelle Pflicht nicht nur sich und den ihn selbst betreffenden Entscheidungen, sondern der Welt an sich gegenüber begreift, dass sich die Probleme dieser Welt nahezu von selbst lösen. Aus dem einfachen Grund, dass das „Überlebe!“, das wir von Anfang an verinnerlicht haben, besser zu erfüllen ist, wenn daraus ein „Überlebt!“ wird. Ob man diese Devise nun von einem ominösen großen Geist, einer wissenschaftlichen Erkenntnis oder wovon auch sonst ableitet, ist dann unerheblich.

So viel zur Arbeitshypothese. Wem das etwas hochtrabend und hölzern vorkam, der mag damit nicht ganz falsch liegen. Mich beschlich dieser Gedanke auch bisweilen. Die hohen und teilweise unscharfen Ziele mögen aber durch einen bereits an anderer Stelle erwähnten Idealismus und eine oben stehende Jugendlichkeit entschuldigt werden. Gewisse Veränderungen und Präzisierungen sind letztlich nicht ausgeschlossen. Man lernt ja nie aus. In diesem Sinne wünsche ich allen einen offenen Geist.

Dienstag, 15. März 2011

Aus aktuellem Anlass

Ich sitze mitten in den Abiturvorbereitungen und nebenbei an einem kleinen Jubiläumstext zum 42. Eintrag auf meinem Blog. Nun bin ich mit dem aber noch nicht fertig und da er etwas länger ausfallen soll, schiebe ich nach einer langen Pause erstmal einen Eintrag dazwischen (Als Antwort auf einen öffentlichen Aufruf von: http://spinken.blog.de/). Das ist jetzt zwar dann der 42. aber stellen Sie sich bei dem nächsten Eintrag dann einfach vor, dieser Eintrag hier käme danach. Warum die 42 so wichtig ist, erkläre ich dann auch beim nächsten Mal. Bis dahin dürfen Sie schon einmal raten und die Wissenden unter Ihnen genießen und schweigen.

Es ist gerade eine sehr bewegte Zeit, in der es so viel zu beobachten, und als Freizeitblogger auch zu kommentieren, gibt, dass ich kaum weiß, womit ich anfangen soll. Ich denke, ich versuche mich an einer chronologischen Ordnung.
Wenn man sich das Weltgeschehen mit etwas Abstand anschaut, könnte man sagen, dass wir gerade in einer heißen Phase leben, in der die Lage sich schneller ändert, als einige merken oder auch reagieren können.

Zuerst verliert die Regierungskoalition ihren einzigen Hoffnungsträger. Jedenfalls wenn man der allgemeinen Meinung folgt, ist die Plagiatsaffäre des ehemaligen Dr. und immer noch Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg das Ende der deutschen Politik. Der größte Teil der Bevölkerung ist offensichtlich bereit, die Verfehlung ihres Lieblings zu vergessen, solange sie ihn weiter anhimmeln darf. Die Regierungskoalition hat, solang es eben ging, an ihm festgehalten und versucht, den Diebstahl geistigen Eigentums als Kavalliersdelikt abzutun. Spannend, wie schnell sich auch in diesem Punkt die Einstellung der Kanzlerin geändert hat, frei nach dem Motto eines ihrer CDU-Amtsvorgänger: "Was schert mich mein Geschwätz von gestern". Vor drei Jahren jedenfalls schlug sie zu diesem Thema noch ganz andere Töne an, ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Die Opposition, wie eh und je, versucht die ganze Misere für ihre eigenen Zwecke auszunutzen und der Regierung möglichst viele Vorwürfe zu machen. Die Medien freuen sich, wieder einmal eine Person öffentlichen Interesses fallen zu sehen/lassen. Ihre Rolle wurde am schärfsten kritisiert. Die Guttis werfen ihnen eine Hetzkampagne vor. Und auch Guttenberg selbst sieht sich gezwungen, auf die sterbenden Soldaten in Afghanistan hinzuweisen, die hinter seiner Strahlkraft verblassen. Wer jetzt bei Strahlkraft auf eine Überleitung zur nächsten Krise wartet, wird sich noch etwas gedulden müssen.

Meiner Auffassung nach ist der Freiherr jedenfalls gut bedient, seinen Posten zu räumen. Selbst wenn die Aberkennung seines Doktortitels keinen direkten Einfluss auf seine Ministerarbeit haben mag, so ist dieser Betrugsversuch doch ein Vertrauensbruch und lässt Zweifel an der charakterlichen Eignung zu Guttenbergs für die vertrauensvolle Aufgabe, die ein politisches Amt zweifellos darstellt, aufkommen. Und diese Zweifel darf man nicht mit einem Argument à la "Ich habe ihn nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt" abzuspeisen versuchen. Die treffendste Erwiderung, die ich dazu gehört habe, war, dass man dann auch die betrunkene Margot Käßmann behalten hätte können, schließlich war sie ja kein Chauffeur. Abgesehen von den strafrechtlichen Konsequenzen, die das Fälschen einer Doktorarbeit nach sich zieht, ist es richtig, dass jemand der sich dieses Deliktes schuldig macht, auch in den Medien mit härteren Bandagen angefasst werden darf. So lange es um die Sache selbst geht, versteht sich. Gerade dann, wenn dieser jemand zuvor die Medien zur Selbstinszenierung genutzt hat. Jemand, der hohe Werte zur Bewertung anderer anlegt, sich selbst aber davon ausgenommen zu haben scheint. So viel zu Guttenberg, erst einmal.

Doch Guttenberg war politisch noch nicht ganz zu Grabe getragen, da folgt die westliche Welt seinem Beispiel: Der arabische Frühling ist in vollem Gange. Und während man den Ägyptern noch die Daumen drücken darf, dass ihr friedlicher Protest für mehr Rechte und Demokratie nun Früchte trägt, sieht es in Libyen eher nach einer Wiederherstellung des alten Systems aus. Wer einen Gottesstaat fürchtet, der darf sich nicht zurücklehnen, wenn die libysche Bevölkerung um Hilfe schreit. Doch genau das tut die so hochgelobte westliche Welt. In Afghanistan und im Irak war der Demokratie-Export eine Selbstverständlichkeit, doch wenn ein Land um Unterstützung dafür bittet, ziehen sich die Europäer, Amerikaner und die UN zurück und verstecken sich hinter ihren Regelwerken. Das libysche Volk stirbt, weil ein mental bereits verstorbener Diktator seine Bürger zusammenschießen und bombardieren lässt, wenn sie Freiheit fordern. Und die westliche Welt? Schaut zu! Mehr als ein paar mikrige Appelle an einen offenkundig Wahnsinnigen bekommt sie nicht zustande. Wo sind sie, die volltönend geschwungenen Reden für Menschenrechte, für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit? Sie knicken ein in der kalten Realpolitik, wo steigende Flüchtlingszahlen und unsichere Ölimporte vor humanen Katastrophen rangieren. Uns fehlen die rechtlichen Grundlagen, um in Libyen zu intervenieren, doch woher nehmen wir dann das Recht, die arabische Welt für ihre zunehmend anti-westliche Einstellung zu kritisieren?

Und als wäre das noch nicht genug versinkt Japan im Chaos. Ein von Erdbeben und den daraufhin entstandenen Tsunamis gebeuteltes Land, sieht sich nun mit einer atomaren Katastrophe konfrontiert. Die Bilder, die durch die Medien gehen, schockieren. Die Reaktion der deutschen Politik, vor allem der Regierungsparteien, macht sprachlos. Aufgrund dessen, dass aus der "statistischen Größe" Restrisiko "bittere Erfahrung" geworden sei, hat man sich dazu durchgerungen, die Laufzeitverlängerung für drei Monate auszusetzen. Interessant, wenn das die erste "bittere Erfahrung" mit dem sogenannten Restrisiko der zivilen Nutzung der Atomkraft ist, was war dann Tschernobyl? Die Koalition scheint sich selbst noch nicht ganz sicher zu sein, denn die Lehren, die man aus der nun angestrengten Katastrophenanalyse Japans ziehen will, nebenbei bemerkt wieder einmal "ergebnisoffen", werden mit dem Verweis auf das Risiko eines Flugzeuganschlags auf unsere Kernkraftwerke gerechtfertigt. Jetzt stellt sich für einen Beobachter natürlich die Frage, wo der Zusammenhang zwischen einem Erdbeben und einem Flugzeuganschlag besteht. Aber diese Frage muss wohl zunächst einmal antwortoffen bleiben. Aus dem hilflosen Gestammel des Generalsekretärs der CDU gestern nach der Präsidiumssitzung war jedenfalls nicht zu entnehmen, was es damit auf sich haben mag.

Ebenfalls spannend ist an dieser Stelle, wie die Lage in Japan aus Verfechtern der Atomkraft plötzlich die schärfsten Kritiker macht. Herr Söder von der CSU, vormals Befürworter der Atomenergie, solange sich der Norden und nicht sein schönes Bayern mit dem dabei entstehenden Dreck rumschlagen darf, fordert rigoros die Sofortabschaltung. Mappus, noch Ministerpräsident von Baden-Würtemberg, bereits für sein feines Gespür für die Sorgen und Nöte seiner Bürger in Fragen der Bahnhofsgestaltung bekannt, stellt mit Überraschung fest, dass die Bevölkerung offensichtlich die von der Atomindustrie diktierte Laufzeitverlängerung nicht länger mitzutragen bereit ist. Auch er ist plötzlich für die Abschaltung. Wieso bedarf es eigentlich, frage ich mich da, immer erst einer Katastrophe, bis der Mensch im Allgemeinen begreift, dass er bis dahin blind auf einen Abgrund zugesteuert ist?
So wie sich die Sache für mich darstellt, ist es vollkommen unerheblich, ob es eine Erdbebenregion oder ein potentielles Ziel eines terroristischen Anschlags ist, für jedes Land ist Atomkraft im Zweifelsfalle, das zeigen Japan, Tschernobyl aber auch die vielen kleinen Krisen, die wir gar nicht so recht mitbekommen, weil sie nicht oder nur unzureichend publik gemacht werden, schlicht unkontrollierbar. Und selbst wenn unsere Kraftwerke und Wiederaufbereitungsanlagen störungsfrei liefen, was sie offensichtlich nicht tun, dann haben wir immer noch das Problem des Atommülls. Aber den produzieren wir munter weiter, ohne eine Lösung für seine Lagerung gefunden zu haben. Das erfordert entweder eine gehörige Portion Ignoranz oder aber Optimismus. Die Atomkraft auf dem aktuellen Stand gleicht einem Spiel mit dem Feuer, mit dem Unterschied allerdings, dass wir vom Feuer wissen, wie wir es löschen können.

Ich hoffe im Interesse der Menschheit und des Planeten auf dem wir leben, dass dem einen oder anderen die Augen nun endlich aufgehen, Katastrophen hatten wir in letzter Zeit wirklich genug.