Nein, trotz des Titels erwartet Sie hier kein neuerlicher Kirchensermon und auch kein als „Besinnlichkeit“ getarnter Weihnachtsstress, im Gegenteil glaube ich, ist es mir in all dem besinnlichen Wust des Dezembers gelungen, ein wenig zur Besinnung zu finden, den inneren Schweinehund für einen Moment beiseite zu legen und an seiner Stelle die Tastatur zu streicheln.
Es ist noch gar nicht so lang her, da konnte man hier einen kurzen Abriss zur Sprache finden, und weil ich in dem bereits oben erwähnten Wust es doch geschafft habe, ist mir wieder einmal aufgegangen, wie wichtig die Sprache für mich ist.
Gerade das gesprochene Wort verliert an Wert in unserer Gesellschaft, stellte ein von mir sehr geschätzter Kabarettist einmal fest. Grund genug für ihn und andere, sich dem entgegen zu stemmen. Und auch wenn ich nicht so vermessen sein will, mich in eine Reihe mit ihnen zu setzen, so will ich doch auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass wir gerade in dieser so besinnlichen Zeit uns auf etwas so elementar Wichtiges und zugleich so Misshandeltes Kulturgut, wie es die deutsche Sprache darstellt, besinnen. Sprache ist etwas, das uns nicht nur anatomisch, sondern auch intellektuell von vielen anderen Lebewesen unterscheidet, weswegen es mich immer wieder auf's Neue wundert, wie manche Zeitgenossen mit ihr umgehen. Sprache eröffnet so viele Möglichkeiten, dass es schwierig sein dürfte, sie auch nur ansatzweise auszuloten. Als alltägliches Kommunikationsmittel, genauso wie als Kunstwerk hat sie ihre Qualitäten. Ob das Wort schneller als der Kopf ist, oder es sorgfältig auf der Zunge hin und her gerollt wird, bevor es an die frische Luft kommt, für alles kann man es verwenden. Ein wahres Multifunktionswerkzeug. Gerade für Leute, die wie ich jedes Mal mit erfürchtig offenstehenden Mündern vor anderen Leuten stehen, die in der Lage sind mit Bildern, Skulpturen oder sogar Musik auszudrücken, wofür unsereins die sprichwörtlichen tausend Worte braucht, ist Sprache die einzige Krücke, um nicht völlig abgehängt zu werden.
Aber was wäre die Leibnizsche Welt ohne Leute, die scheinbar ohne Sinn und Verstand an etwas wie die Sprache herangehen und sie, den eigenen Bedürfnissen entsprechend, verhunzen. Fluten von Anglizismen, Halbsätze voller Halbwahrheiten, der aussterbende Genitiv, andere Probleme mit „das Grammatik“, „brutalstmöglichst gesteigerter Superlativissimus“ (Bastian Sick), orthographische Elendsviertel und nicht zuletzt fehlende Kommata bzw. „Kommatas“, die besser gefehlt hätten. Nicht nur beim gesprochenen sondern auch vorm geschriebenen Wort, machen diese Wandalen keinen Halt. Sie sind normale Menschen wie du und ich, aber hüte dich, wenn sie den Mund aufmachen! Wie schön, dass es noch ein paar aufrechte Seelen gibt, die es noch verstehen, Wörter und Worte (nebenbei bemerkt, ein wirklich wunderbares Wortpaar) richtig anzufassen und einzelnen Wörtern oder ganzen Sätzen den Glanz wiederzugeben, den sie unter einer Patina von Alltagsspuren besitzen.
In der Tat ist es eigentlich falsch, von der „Sprache“ sprechen zu wollen, weil das zu sehr verallgemeinert, und das Konzept Sprache dabei doch nicht umfassend wiederzugeben vermag. Hier zeigt sich, dass Latein für den Sprachästheten warscheinlich die bessere Wahl darstellt. Als „tote Sprache“ kann man sie ungestört „genießen“, zumindest diejenigen können das, die trotz Lateinunterricht diese Sprache zu schätzen wissen. Es ist so grotesk, wie mit dem Schmetterlingsenthusiasten, der diese Wesen so sehr bewundert, dass er sie auf einen Nagel gespießt in Schaukästen aufstellt. Doch die deutsche Sprache ist glücklicherweise bisher jedem Schmetterlingsfänger entgangen und schillert deshalb frei herum. Sie verändert sich mit jeder neuen Generation von Sprechern und das ist gut so. Prinzipiell. Trotzdem erscheint es mir sinnvoll, beim Umgang mit dem Sprachschmetterling etwas mehr Vorsicht walten zu lassen. Der Schaukasten ist keine Lösung, doch ein Schmetterling mit geknickten Flügeln ist auch kein glückliches Wesen. Deshalb sollte man, gerade wenn man schreibt, sich sicher sein, dass das was man schreibt, so, wie es da steht, richtig ist. Denn im Gegensatz zum gesprochenen Wort muss vielleicht das geschriebene noch von jemandem gelesen werden.
Dem, dem das in diesen besinnlichen Zeiten zu besinnlich war, aber auch demjenigen, dem es gefallen hat, wünsche ich frohe Weihnachten und einen heilen Rutsch ins neue Jahr!
Samstag, 18. Dezember 2010
Freitag, 5. November 2010
Wie kann man nur?
Es gibt Dinge, die lassen sich nicht ändern und es gibt Dinge, die scheinen sich ohne jedes Zutun positiv zu entwickeln. In die zweite Kategorie dürften die aktuellen Proteste gegen Stuttgart21 und Atomkraftwerke fallen. Die Reaktion der Politik wohl eher in die Erste. Für mich, der sich für einen politisch denkenden Menschen hält, ist es jedenfalls eine Wohltat, dass es offensichtlich noch Themen gibt, für die Leute auf die Straße gehen. Endlich gibt es Beweise dafür, dass die viel beschworene Demokratieverdrossenheit nicht existiert. Im Gegenteil: So präsent war der Namensgeber unseres politischen Systems schon lange nicht mehr. Es ist aber auch schwer möglich den Ereignissen zu folgen und nicht das unbezwingbare Bedürfnis zu verspüren, "denen da oben" zu zeigen, dass man nicht mit ihrer Entscheidung einverstanden ist.
Wie kann die schwarz-gelbe Koalition hartnäckig an ihrem Atom... nennen wir es "Paket", festhalten, unbeirrt von des Volkes Meinung? Wie kann sie vor allem aber die Meinung derer, die sich mit dem Thema Atomkraft auskennen, ignorieren oder sie gar mundtot machen? Wenn man hört, liest und sieht, welche Bedenken allerorts angemeldet werden, wie kann man dann die Dickfälligkeit besitzen, in diesem Punkt dumm und zugleich beratungsresistent zu sein? Wie kann man so mit der Zukunft spielen? Wie kann man sich dann wundern, wenn tausende von Menschen auf die Straße gehen. Wie kann man ein Thema wie Atomkraft so leichtfertig behandeln? Wie kann man offensichtlich materiellen Überlegungen den Vorzug geben? Wie kann man sich hinstellen und sagen, wir nutzen Atomkraft als "Brückentechnologie" und über die Lösung der Lagerfrage kümmern wir uns später? Wie kann man zwei Lager bauen, die jetzt tickende Zeitbomben sind und denen noch eine weitere hinzufügen wollen?
Wie kann man überhaupt darauf kommen, einen Stoff zu nutzen, dessen Gefährlichkeit mit nichts zu vergleichen ist, was wir sonst noch kennen, von dem bekannt ist, dass er über Jahrmillionen eine Gefahr darstellen wird und von dem wir ebenfalls wissen, dass seine Nutzung Abfall produziert, der eben diese Eigenschaften auch besitzt?
Wie kann man nur?
Wie kann die schwarz-gelbe Koalition hartnäckig an ihrem Atom... nennen wir es "Paket", festhalten, unbeirrt von des Volkes Meinung? Wie kann sie vor allem aber die Meinung derer, die sich mit dem Thema Atomkraft auskennen, ignorieren oder sie gar mundtot machen? Wenn man hört, liest und sieht, welche Bedenken allerorts angemeldet werden, wie kann man dann die Dickfälligkeit besitzen, in diesem Punkt dumm und zugleich beratungsresistent zu sein? Wie kann man so mit der Zukunft spielen? Wie kann man sich dann wundern, wenn tausende von Menschen auf die Straße gehen. Wie kann man ein Thema wie Atomkraft so leichtfertig behandeln? Wie kann man offensichtlich materiellen Überlegungen den Vorzug geben? Wie kann man sich hinstellen und sagen, wir nutzen Atomkraft als "Brückentechnologie" und über die Lösung der Lagerfrage kümmern wir uns später? Wie kann man zwei Lager bauen, die jetzt tickende Zeitbomben sind und denen noch eine weitere hinzufügen wollen?
Wie kann man überhaupt darauf kommen, einen Stoff zu nutzen, dessen Gefährlichkeit mit nichts zu vergleichen ist, was wir sonst noch kennen, von dem bekannt ist, dass er über Jahrmillionen eine Gefahr darstellen wird und von dem wir ebenfalls wissen, dass seine Nutzung Abfall produziert, der eben diese Eigenschaften auch besitzt?
Wie kann man nur?
Mittwoch, 22. September 2010
Gewalt ist keine Lösung
Jetzt ist es doch passiert. Ich hatte schon darauf gehofft, übersehen worden zu sein, eine Akte, die in irgendeinem Schrank verstaubt. Nein, inzwischen werden wohl auch die ins Computerzeitalter eingestiegen sein. Obwohl, was so ein echter Amtsschimmel ist... Wie auch immer, ein Bekannter hat mir neulich gesagt: "Die vergessen keinen." So wie es aussieht, hat er wohl Recht gehabt. Seit einiger Zeit schlummert in einem meiner Aktenordner der Bescheid zur Musterung meines zuständigen Kreiswehrersatzamtes. Der Name allein sagt schon alles. "An der Front haben wir alles verheizt, wir brauchen Ersatz." Und wieder zeigt sich, dass unser lieber Staat Einiges vor sich hat, um sich den Zeiten anzupassen.
Ausgerechnet der geölte Blitz der CSU, ein Politiker, den ich bisher nur als Mann wahrgenommen habe, der gesagt hat, er könne verstehen, wenn die Soldaten in Afghanistan von Krieg sprächen und der sich dazu durchringen konnte, von "kriegsähnlichen Zuständen" zu sprechen und dafür auch noch bejubelt wurde.
Ganz zu schweigen von einigen Fotos seiner Person, vorzugsweise an der "Afghanischen Front"(Darf man das sagen oder ist das schon Kriegsvokabular?), die mich fatal an Werbeplakate für den nächsten Kinofilm oder gar an die Porträts alter Aristokraten auf einem Feldzug erninnerten. Allem Anschein nach verpflichtet Adel tatsächlich, zumindest was die Selbstdarstellung betrifft. Zu Gute muss man unserem Verteidigungsminister zu Guttenberg jedoch halten, dass er etwas ins Gespräch gebracht hat, das überaus wichtig ist. Nicht nur, weil es seit der Wiederbewaffnung der BRD 1954 Generationen junger Männer beschäftigt, sondern tatsächlich eine grundlegende Frage ist. Quo vadis, Bundeswehr?
Die Wehrpflicht ist ein Relikt der drohenden Gefahr, der Kalte Krieg könnte in Europa heiß werden. Sie ist ein Fossil der Zeit, als sich die Konfrontationslinie des Ost- und des Westblocks durch Deutschland zog und Bürger einer Nation zu Feinden machte. Diese Zeit ist glücklicherweise überwunden, was bleibt ist der Wurmfortsatz, der uns heranwachsende Männer vor die Wahl stellt: Töten lernen oder alten Leuten den Hintern abwischen. Abgesehen davon, dass eine der beiden Tätigkeiten tatsächlich sinnvoll und ethisch vollkommen vertretbar ist, kostet diese Wahl eine Menge Zeit. Von zwischenzeitlich 18 bis zum aktuellen Stand von 6 Monaten.
Heute leben wir, ebenfalls glücklicherweise, in einer Union, die neben Vorschriften zum Krummheitsgrad von Bananen vor allem eines geschaffen hat und zwar Frieden. Die Gefahr eines Krieges zwischen den europäischen Staaten, bis einschließlich des Zweiten Weltkrieges eine ständige Bedrohung, die ein ums andere Mal bittere Realität geworden ist, ist so weit entfernt wie nie. Im Gegenteil, Bündnisse garantieren einen internationalen Beistand im Falle einer militärischen Bedrohung von außen. Die Bundeswehr könnte also vom strategischen Standpunkt durchaus darauf verzichten, sich eine stille Reserve von Rekruten heranzuziehen. Diese Reserve würde ihre Zeit vielleicht lieber für eine Ausbildung oder ein Studium aufwenden, statt für den Morgenappell.
Ein Argument, dass häufig für die Wehrpflicht ins Feld geführt wird (schon wieder Militärvokabular)ist, dass durch sie die Verbindung zwischen Bevölkerung und Armee aufrecht erhalten werde. Verbindung zwischen Bevölkerung und Armee? Wieso muss ich schießen lernen, um die Verbindung zur Armee aufrecht zu erhalten? Und ganz abgesehen davon: Will ich überhaupt mit einem Verein verbunden sein, der das schmutzigste Handwerk der Menschheit ausführt, teilweise absolut barbarische Aufnahmerituale pflegt und mich dazu ausbildet, das Grundrecht eines jeden Menschen, nämlich das auf Leben mit Füßen zu treten? Die Antwort darauf muss wohl jeder für sich selbst finden, ich jedoch weiß, dass ich das nicht will. Die Wehrpflicht zwingt mich trotzdem dazu, mich von irgendwelchen Leuten auf Herz und Nieren und diverse andere Organe, die man in der Öffentlichkeit nicht zur Schau zu stellen bereit ist,und meine "psychische" Eignung untersuchen zu lassen. Sie könnten mich auch einfach fragen, ob ich mich damit einverstanden erkläre, das kärgliche Bisschen an moralischen Grundsätzen, die sich die Menschheit zwischen den Kriegen erarbeitet hat aufgeben und stattdessen wieder in die Steinzeit gehen will, in der das Motto "Und willst Du mein Freund nicht sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein" noch nahezu alternativlos* war.
Heute haben wir, wieder einmal glücklicherweise, Einiges mehr, was uns zu tun übrig bleibt, wenn wir mit jemandem nicht einig werden, statt ihn über den Haufen zu schießen. Wie sollte man es schließlich anders bezeichnen, als als Glück, dass uns das überhaupt gelungen ist, wo unsere Geschichtsschreibung so voller kriegerischer Auseinandersetzungen ist, dass die Geschichte häufig mit Hilfe der Daten von Kriegen, statt mit der zwischen ihnen liegenden Friedenszeit, charakterisiert wird? Krieg ist eine Konstante des menschlichen Lebens gewesen seit der Mensch auf die Idee gekommen ist, seinen angespitzten Stein nicht ins nächste Reh, sondern in seinen Nebenmann zu stoßen.
Vom "Jäger und Sammler"-Image haben wir uns erfolgreich gelöst, warum nicht auch vom Krieg? Die Alternativen sind mannigfaltig. Wir können inzwischen recht gut sprechen, haben Kunst und Wissenschaft auf ein erkleckliches Maß vorangebracht. Wobei gerade die Wissenschaft leider auch dazu geführt hat, das wir vom spitzen Stein ausgehend auch ein erschreckend großes Maß an Mordwerkzeugen dazu bekommen haben. Einige mit einem solchen Zerstörungspotential, das genauere Reflektion über sie eigentlich zwangsläufig dazu führen sollte, von ihnen Abstand zu nehmen, so sollte man meinen.
Trotzdem hat jeder Staat, der etwas auf sich hält, Militär und ist bereit es einzusetzen, sollten die anderen Mittel schon ausgeschöpft sein oder auch nicht. Ein Mann, der vermutlich etwas davon verstanden hat, hat einmal gesagt, Krieg sei die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln. Bedauerlicherweise trifft das ziemlich genau das Verständnis von Krieg, das sich die überwiegende Mehrheit der Menschen in verantwortungsvollen Positionen zu eigen gemacht zu haben scheint. Hinzu kommt, dass die nicht nur Krieg als sowohl legales als auch legititmes Mittel ansehen, sondern auch ein ganzer Wirtschaftszweig es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, die Selbstzerstörungstriebe des Menschen mit, ja wortwörtlich, mit Munition zu versorgen. Ein anderer kluger Mann, der es sogar zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gebracht hat, sprach in diesem Zusammenhang vom "military-industrial-complex". Damit trifft auch er ziemlich genau die Realität. Nicht von ungefähr kommt es, dass bis heute Stimmen laut sind, wonach große Teile der afghanischen und irakischen Offensive der USA von Firmen ausgestattet wurden, die zufällig genau den Männern gehörten, die sie beschlossen haben.
Aber wenn es uns gelänge, dass sich weder junge Männer, noch in zunehmendem Maße auch Frauen, dazu verdingten, Handlanger dieser Leute zu werden, dann würde das Phänomen Krieg beinah ebenso schnell verschwinden. Krieg lässt sich nur mit Soldaten führen, es mögen weniger geworden sein, dennoch braucht es neben den technischen auch menschliche Tötungsmaschinen. Selbst wenn ihre einzige Aufgabe darin besteht, auf einen roten Knopf zu drücken. Wenn es erreicht würde, dass das Verständnis in allen Menschen reifte, dass Krieg kein Spiel, keine mathematische, noch wissenschaftliche, noch rationale, geschweige denn zu rechtfertigende Operation ist, dann hätten wir es geschafft. Leider hat dieses Verständnis die breite Masse in der Vergangenheit immer erst dann erreicht, wenn schon alles zu spät war.
Gewalt ist keine Lösung, dieser Spruch ist keine abgedroschene Formel, sondern ein Grundsatz, für den es sich zu streiten lohnt, gewaltfrei versteht sich.
*Am Rande: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass die Regierung in letzter Zeit beeindruckend viele "alternativlose" Gesetzesentwürfe und Reformen auf den Weg gebracht hat?
Ausgerechnet der geölte Blitz der CSU, ein Politiker, den ich bisher nur als Mann wahrgenommen habe, der gesagt hat, er könne verstehen, wenn die Soldaten in Afghanistan von Krieg sprächen und der sich dazu durchringen konnte, von "kriegsähnlichen Zuständen" zu sprechen und dafür auch noch bejubelt wurde.
Ganz zu schweigen von einigen Fotos seiner Person, vorzugsweise an der "Afghanischen Front"(Darf man das sagen oder ist das schon Kriegsvokabular?), die mich fatal an Werbeplakate für den nächsten Kinofilm oder gar an die Porträts alter Aristokraten auf einem Feldzug erninnerten. Allem Anschein nach verpflichtet Adel tatsächlich, zumindest was die Selbstdarstellung betrifft. Zu Gute muss man unserem Verteidigungsminister zu Guttenberg jedoch halten, dass er etwas ins Gespräch gebracht hat, das überaus wichtig ist. Nicht nur, weil es seit der Wiederbewaffnung der BRD 1954 Generationen junger Männer beschäftigt, sondern tatsächlich eine grundlegende Frage ist. Quo vadis, Bundeswehr?
Die Wehrpflicht ist ein Relikt der drohenden Gefahr, der Kalte Krieg könnte in Europa heiß werden. Sie ist ein Fossil der Zeit, als sich die Konfrontationslinie des Ost- und des Westblocks durch Deutschland zog und Bürger einer Nation zu Feinden machte. Diese Zeit ist glücklicherweise überwunden, was bleibt ist der Wurmfortsatz, der uns heranwachsende Männer vor die Wahl stellt: Töten lernen oder alten Leuten den Hintern abwischen. Abgesehen davon, dass eine der beiden Tätigkeiten tatsächlich sinnvoll und ethisch vollkommen vertretbar ist, kostet diese Wahl eine Menge Zeit. Von zwischenzeitlich 18 bis zum aktuellen Stand von 6 Monaten.
Heute leben wir, ebenfalls glücklicherweise, in einer Union, die neben Vorschriften zum Krummheitsgrad von Bananen vor allem eines geschaffen hat und zwar Frieden. Die Gefahr eines Krieges zwischen den europäischen Staaten, bis einschließlich des Zweiten Weltkrieges eine ständige Bedrohung, die ein ums andere Mal bittere Realität geworden ist, ist so weit entfernt wie nie. Im Gegenteil, Bündnisse garantieren einen internationalen Beistand im Falle einer militärischen Bedrohung von außen. Die Bundeswehr könnte also vom strategischen Standpunkt durchaus darauf verzichten, sich eine stille Reserve von Rekruten heranzuziehen. Diese Reserve würde ihre Zeit vielleicht lieber für eine Ausbildung oder ein Studium aufwenden, statt für den Morgenappell.
Ein Argument, dass häufig für die Wehrpflicht ins Feld geführt wird (schon wieder Militärvokabular)ist, dass durch sie die Verbindung zwischen Bevölkerung und Armee aufrecht erhalten werde. Verbindung zwischen Bevölkerung und Armee? Wieso muss ich schießen lernen, um die Verbindung zur Armee aufrecht zu erhalten? Und ganz abgesehen davon: Will ich überhaupt mit einem Verein verbunden sein, der das schmutzigste Handwerk der Menschheit ausführt, teilweise absolut barbarische Aufnahmerituale pflegt und mich dazu ausbildet, das Grundrecht eines jeden Menschen, nämlich das auf Leben mit Füßen zu treten? Die Antwort darauf muss wohl jeder für sich selbst finden, ich jedoch weiß, dass ich das nicht will. Die Wehrpflicht zwingt mich trotzdem dazu, mich von irgendwelchen Leuten auf Herz und Nieren und diverse andere Organe, die man in der Öffentlichkeit nicht zur Schau zu stellen bereit ist,und meine "psychische" Eignung untersuchen zu lassen. Sie könnten mich auch einfach fragen, ob ich mich damit einverstanden erkläre, das kärgliche Bisschen an moralischen Grundsätzen, die sich die Menschheit zwischen den Kriegen erarbeitet hat aufgeben und stattdessen wieder in die Steinzeit gehen will, in der das Motto "Und willst Du mein Freund nicht sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein" noch nahezu alternativlos* war.
Heute haben wir, wieder einmal glücklicherweise, Einiges mehr, was uns zu tun übrig bleibt, wenn wir mit jemandem nicht einig werden, statt ihn über den Haufen zu schießen. Wie sollte man es schließlich anders bezeichnen, als als Glück, dass uns das überhaupt gelungen ist, wo unsere Geschichtsschreibung so voller kriegerischer Auseinandersetzungen ist, dass die Geschichte häufig mit Hilfe der Daten von Kriegen, statt mit der zwischen ihnen liegenden Friedenszeit, charakterisiert wird? Krieg ist eine Konstante des menschlichen Lebens gewesen seit der Mensch auf die Idee gekommen ist, seinen angespitzten Stein nicht ins nächste Reh, sondern in seinen Nebenmann zu stoßen.
Vom "Jäger und Sammler"-Image haben wir uns erfolgreich gelöst, warum nicht auch vom Krieg? Die Alternativen sind mannigfaltig. Wir können inzwischen recht gut sprechen, haben Kunst und Wissenschaft auf ein erkleckliches Maß vorangebracht. Wobei gerade die Wissenschaft leider auch dazu geführt hat, das wir vom spitzen Stein ausgehend auch ein erschreckend großes Maß an Mordwerkzeugen dazu bekommen haben. Einige mit einem solchen Zerstörungspotential, das genauere Reflektion über sie eigentlich zwangsläufig dazu führen sollte, von ihnen Abstand zu nehmen, so sollte man meinen.
Trotzdem hat jeder Staat, der etwas auf sich hält, Militär und ist bereit es einzusetzen, sollten die anderen Mittel schon ausgeschöpft sein oder auch nicht. Ein Mann, der vermutlich etwas davon verstanden hat, hat einmal gesagt, Krieg sei die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln. Bedauerlicherweise trifft das ziemlich genau das Verständnis von Krieg, das sich die überwiegende Mehrheit der Menschen in verantwortungsvollen Positionen zu eigen gemacht zu haben scheint. Hinzu kommt, dass die nicht nur Krieg als sowohl legales als auch legititmes Mittel ansehen, sondern auch ein ganzer Wirtschaftszweig es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, die Selbstzerstörungstriebe des Menschen mit, ja wortwörtlich, mit Munition zu versorgen. Ein anderer kluger Mann, der es sogar zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gebracht hat, sprach in diesem Zusammenhang vom "military-industrial-complex". Damit trifft auch er ziemlich genau die Realität. Nicht von ungefähr kommt es, dass bis heute Stimmen laut sind, wonach große Teile der afghanischen und irakischen Offensive der USA von Firmen ausgestattet wurden, die zufällig genau den Männern gehörten, die sie beschlossen haben.
Aber wenn es uns gelänge, dass sich weder junge Männer, noch in zunehmendem Maße auch Frauen, dazu verdingten, Handlanger dieser Leute zu werden, dann würde das Phänomen Krieg beinah ebenso schnell verschwinden. Krieg lässt sich nur mit Soldaten führen, es mögen weniger geworden sein, dennoch braucht es neben den technischen auch menschliche Tötungsmaschinen. Selbst wenn ihre einzige Aufgabe darin besteht, auf einen roten Knopf zu drücken. Wenn es erreicht würde, dass das Verständnis in allen Menschen reifte, dass Krieg kein Spiel, keine mathematische, noch wissenschaftliche, noch rationale, geschweige denn zu rechtfertigende Operation ist, dann hätten wir es geschafft. Leider hat dieses Verständnis die breite Masse in der Vergangenheit immer erst dann erreicht, wenn schon alles zu spät war.
Gewalt ist keine Lösung, dieser Spruch ist keine abgedroschene Formel, sondern ein Grundsatz, für den es sich zu streiten lohnt, gewaltfrei versteht sich.
*Am Rande: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass die Regierung in letzter Zeit beeindruckend viele "alternativlose" Gesetzesentwürfe und Reformen auf den Weg gebracht hat?
Freitag, 17. September 2010
Mittwoch, 1. September 2010
Da waren wir auch schon mal weiter...
Seit einigen Tagen nun geistert ein neues Gespenst durch die Medien, das doch eigentlich ganz alt ist. Und eigentlich war man davon ausgegangen, dass es überwunden sei. Doch wie so oft beliebt es der Welt, uns eines Besseren zu belehren. Und dann auch noch aus einer Richtung, aus der zumindest ich nicht damit gerechnet hätte. Stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Warum?
Schon der Titel des Buches ist provokant. Und das Gefühl nimmt noch zu, wenn man erfährt, mit welchen Thesen die neue Veröffentlichung des Bundesbankvorstands- und SPD-Mitglieds Thilo Sarrazin gefüllt ist. Deutschland sei auf dem Weg zu verdummen. Das ist zunächst mal nichts Neues, diese Empfindung beschleicht einen jedesmal, wenn man das Fernsehprogramm einiger Sender studiert oder sich manche Mitmenschen anschaut. Die Ursache, die Sarrazin ausfindig gemacht haben will, ist jedoch neu: Es liegt an den Migranten, genauer vor allem an den Muslimen und noch genauer an deren Genen und Glauben. Die seien weniger intelligent, weil sie von den Gastarbeitern des Wirtschaftswunders abstammen und diese hätten leider nur geringe Intelligenz. Die Intelligenz ist für Sarrazin von den Genen determiniert und damit vererbar und das "Muslim-Gen" hindere nun unsere Mitbürger daran, so viel zu leisten, wie das andere könnten. Damit nicht genug, ihre Religion sei weit aus weniger integrierfreudig als andere.
Sofern sich der von Sarrazin beschriebene Verdummungsprozess noch nicht auch auf einen selbst ausgeweitet hat, so fällt einem sehr schnell ein, dass es da eine Büchse gibt. Eine tief eingemottete Büchse, an der besonders wir Deutschen ungern rühren und zwar aus gutem Grund. Ihr Inhalt stinkt. Noch immer versuchen wir verzweifelt, ihre Ausdünstungen in den Griff zu bekommen, in denen wir uns bis vor etwa 65 Jahren bewegten. Die theoretische Grundlage ist allerdings noch älter, stammt aus der Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert.
Natürlich gibt es auch heute noch Verfechter solcher Gedanken, aber die werden glücklicherweise heute vom Verfassungsschutz beobachtet. Und ausgerechnet ein SPD-Mitglied öffnet nun dieselbe Büchse. Eigentlich hätte das nicht passieren dürfen.
Schaut man aber in die Laufbahn dieses Mannes hinein, so lässt sich feststellen, dass er schon so manches Mal eigentlich inakzeptable Äußerungen von sich gegeben hat. Beginnend mit abfälligen Bemerkungen über den Kleidungsstil der Bewohner einer Stadt, für die er zu dieser Zeit Finanz-Senator war, und sich steigernd über einen Ernährungsplan für HartzIV-Empfänger bei einem Tagessatz von 4,50 Euro, hin zu seinen Thesen zu Migranten in Deutschland entwickelt hat. Ein Armutszeugnis. Wer so etwas von sich gibt, der muss damit rechnen, abgestempelt und zumindest in die Nähe von Sozialdarwinisten und anderen pseudowissenschaftlichen Bewegungen gestellt zu werden, die verschiedene Klassen von Menschen postulieren.
Dass Migranten zusätzliche Probleme in Sachen Bildung haben, mag sein und dass Deutschland verdummt, ist Fakt. Das jedoch auf minderwertige Genetik und Religion zu schieben, ist grundlegend falsch. Vielmehr ist die Politik dafür verantwortlich. Diese Entwicklung ist nicht erst seit gestern bekannt und anstatt sich Gedanken, vernünftige Gedanken, darüber zu machen, wie man dieses Problem angeht, halten wir daran fest, uns 16 verschiedene Bildungssysteme zu leisten und verstricken uns in Grabenkämpfen, ob 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur und ob dreigliedriges Schulsystem oder Gesamtschulen das Richtige sind.
Wer dagegen an will, dass "das Land der Dichter und Denker" zusehends degeneriert, der sollte dafür sorgen, dass seine Bevölkerung annähernd gleiche Chancen auf und bei Bildung hat. Die Genetik zu bemühen, ist bequem, weil sie uns aus der Verantwortung nimmt, etwas zu ändern. Genetik sorgt dafür, dass man sagen kann: Wir würden ja gern, aber die Gene, die können wir nicht verändern. Und das ist falsch. Ein Begriff wie Intelligenz, der bis heute schon definitionstechnisch umstritten ist, der sollte nicht als gegeben hingenommen werden. Selbst, wenn sich eines Tages herausstellen sollte, dass "Intelligenz" von Genen festgelegt ist, und die neuesten Erkenntnisse deuten eher in die andere Richtung, dann hätten wir doch trotzdem die Pflicht, alles daran zu setzen, jeden der willig ist, zu bilden. Außerdem sollte man daran gehen den Müll, der uns jeden Tag um die Ohren gehauen wird, dorthin zu befördern, wo er hingehört, nämlich in die Tonne. Zweifellos landet auch Sarrazins Machwerk irgendwann dort. Wenn wir uns wieder einigermaßen beruhigt haben. Und dort ist es auch besser aufgehoben als in einer Büchse, in der ersteren wühlt nämlich niemand freiwillig herum.
Was Sarrazin jedenfalls zweifelsfrei bewiesen hat, ist, dass unsere Republik noch nicht so weit von der Büchse entfernt ist, wie sie es gern wäre. Der Medienrummel und die zögerlichen Versuche, Sarrazin seines Amtes zu entheben oder ihn aus seiner Partei zu werfen, untermauern das.
Schon der Titel des Buches ist provokant. Und das Gefühl nimmt noch zu, wenn man erfährt, mit welchen Thesen die neue Veröffentlichung des Bundesbankvorstands- und SPD-Mitglieds Thilo Sarrazin gefüllt ist. Deutschland sei auf dem Weg zu verdummen. Das ist zunächst mal nichts Neues, diese Empfindung beschleicht einen jedesmal, wenn man das Fernsehprogramm einiger Sender studiert oder sich manche Mitmenschen anschaut. Die Ursache, die Sarrazin ausfindig gemacht haben will, ist jedoch neu: Es liegt an den Migranten, genauer vor allem an den Muslimen und noch genauer an deren Genen und Glauben. Die seien weniger intelligent, weil sie von den Gastarbeitern des Wirtschaftswunders abstammen und diese hätten leider nur geringe Intelligenz. Die Intelligenz ist für Sarrazin von den Genen determiniert und damit vererbar und das "Muslim-Gen" hindere nun unsere Mitbürger daran, so viel zu leisten, wie das andere könnten. Damit nicht genug, ihre Religion sei weit aus weniger integrierfreudig als andere.
Sofern sich der von Sarrazin beschriebene Verdummungsprozess noch nicht auch auf einen selbst ausgeweitet hat, so fällt einem sehr schnell ein, dass es da eine Büchse gibt. Eine tief eingemottete Büchse, an der besonders wir Deutschen ungern rühren und zwar aus gutem Grund. Ihr Inhalt stinkt. Noch immer versuchen wir verzweifelt, ihre Ausdünstungen in den Griff zu bekommen, in denen wir uns bis vor etwa 65 Jahren bewegten. Die theoretische Grundlage ist allerdings noch älter, stammt aus der Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert.
Natürlich gibt es auch heute noch Verfechter solcher Gedanken, aber die werden glücklicherweise heute vom Verfassungsschutz beobachtet. Und ausgerechnet ein SPD-Mitglied öffnet nun dieselbe Büchse. Eigentlich hätte das nicht passieren dürfen.
Schaut man aber in die Laufbahn dieses Mannes hinein, so lässt sich feststellen, dass er schon so manches Mal eigentlich inakzeptable Äußerungen von sich gegeben hat. Beginnend mit abfälligen Bemerkungen über den Kleidungsstil der Bewohner einer Stadt, für die er zu dieser Zeit Finanz-Senator war, und sich steigernd über einen Ernährungsplan für HartzIV-Empfänger bei einem Tagessatz von 4,50 Euro, hin zu seinen Thesen zu Migranten in Deutschland entwickelt hat. Ein Armutszeugnis. Wer so etwas von sich gibt, der muss damit rechnen, abgestempelt und zumindest in die Nähe von Sozialdarwinisten und anderen pseudowissenschaftlichen Bewegungen gestellt zu werden, die verschiedene Klassen von Menschen postulieren.
Dass Migranten zusätzliche Probleme in Sachen Bildung haben, mag sein und dass Deutschland verdummt, ist Fakt. Das jedoch auf minderwertige Genetik und Religion zu schieben, ist grundlegend falsch. Vielmehr ist die Politik dafür verantwortlich. Diese Entwicklung ist nicht erst seit gestern bekannt und anstatt sich Gedanken, vernünftige Gedanken, darüber zu machen, wie man dieses Problem angeht, halten wir daran fest, uns 16 verschiedene Bildungssysteme zu leisten und verstricken uns in Grabenkämpfen, ob 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur und ob dreigliedriges Schulsystem oder Gesamtschulen das Richtige sind.
Wer dagegen an will, dass "das Land der Dichter und Denker" zusehends degeneriert, der sollte dafür sorgen, dass seine Bevölkerung annähernd gleiche Chancen auf und bei Bildung hat. Die Genetik zu bemühen, ist bequem, weil sie uns aus der Verantwortung nimmt, etwas zu ändern. Genetik sorgt dafür, dass man sagen kann: Wir würden ja gern, aber die Gene, die können wir nicht verändern. Und das ist falsch. Ein Begriff wie Intelligenz, der bis heute schon definitionstechnisch umstritten ist, der sollte nicht als gegeben hingenommen werden. Selbst, wenn sich eines Tages herausstellen sollte, dass "Intelligenz" von Genen festgelegt ist, und die neuesten Erkenntnisse deuten eher in die andere Richtung, dann hätten wir doch trotzdem die Pflicht, alles daran zu setzen, jeden der willig ist, zu bilden. Außerdem sollte man daran gehen den Müll, der uns jeden Tag um die Ohren gehauen wird, dorthin zu befördern, wo er hingehört, nämlich in die Tonne. Zweifellos landet auch Sarrazins Machwerk irgendwann dort. Wenn wir uns wieder einigermaßen beruhigt haben. Und dort ist es auch besser aufgehoben als in einer Büchse, in der ersteren wühlt nämlich niemand freiwillig herum.
Was Sarrazin jedenfalls zweifelsfrei bewiesen hat, ist, dass unsere Republik noch nicht so weit von der Büchse entfernt ist, wie sie es gern wäre. Der Medienrummel und die zögerlichen Versuche, Sarrazin seines Amtes zu entheben oder ihn aus seiner Partei zu werfen, untermauern das.
Mittwoch, 25. August 2010
Was machst Du so am Wochenende?
Ein Phänomen zeitweise verpöhnt, obwohl so wichtig wie das täglich Brot und so alt wie die Menschheit, naja, fast jedenfalls: Es ist schon allein aber noch eher in Gesellschaft ein Ereignis. Beinah jeder, der es versucht, bleibt dabei. Meistens ist es sogar gesund. Auch mich hat die Faszination seit ein paar Wochen mit fester Hand gepackt. Ich rede vom Kochen.
Drei junge Herren pflegen eine junge aber eine Tradition mit Potential. Wenn Wasser kocht und Soßen duften, wenn sich Hauptattraktion mit Sättigungsbeilage trifft, dann ist das allein schon ein Genuss. Noch besser wird es, wenn die kulinarischen Gehversuche von Erfolg gekrönt werden. Und diesbezüglich kann sich unsere Runde tatsächlich sehen lassen. Ich sage nur: "Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen". Aber im Ernst, abgesehen von kleineren Missgeschicken waren wir bisher sehr erfolgreich. So sehr, dass wir noch Zeit finden, die technischen Mysterien unseres Laboratoriums zu testen, z.B.: Pfeffermühlen, die nicht nur auf Knopfdruck mahlen, sondern auch einen Zielscheinwerfer aktivieren. Oder unauffällige Wandverzierungen, die ebenfalls auf Knopfdruck ein gespenstisches Eigenleben entwickeln. Schließlich entdecken wir das Horrorfilmpotential von tragbaren Milchaufschäumern. Kettensägen? Lächerlich! Vor den Psychopaten mit Milchaufschäumern muss man sich in Acht nehmen. Und bei einer Zombie-Invasion oder zumindest Papiermonstern können sie Leben retten. Aber ich schweife ab. Der eigentliche Star sollte doch das Kochen sein. Und tatsächlich, nach getaner Arbeit steht ein Meisterwerk, naja fast, vor uns. Und es ist auch noch essbar. Kochen ist Kunst, und wenn unsere Ergebnisse schon nicht schön, dann sind sie wenigstens einzigartig.
Wer sich nun also auch einmal auf eine Reise voller Mirakel begeben will, der sollte sich ein paar tapfere Mitstreiter suchen und seine Küche betreten.
Ich weiß jedenfalls, was ich am nächsten Wochenende mache.
P.S.: Unser herzlichster Dank geht an dieser Stelle an den Erfinder des Siebs.
Drei junge Herren pflegen eine junge aber eine Tradition mit Potential. Wenn Wasser kocht und Soßen duften, wenn sich Hauptattraktion mit Sättigungsbeilage trifft, dann ist das allein schon ein Genuss. Noch besser wird es, wenn die kulinarischen Gehversuche von Erfolg gekrönt werden. Und diesbezüglich kann sich unsere Runde tatsächlich sehen lassen. Ich sage nur: "Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen". Aber im Ernst, abgesehen von kleineren Missgeschicken waren wir bisher sehr erfolgreich. So sehr, dass wir noch Zeit finden, die technischen Mysterien unseres Laboratoriums zu testen, z.B.: Pfeffermühlen, die nicht nur auf Knopfdruck mahlen, sondern auch einen Zielscheinwerfer aktivieren. Oder unauffällige Wandverzierungen, die ebenfalls auf Knopfdruck ein gespenstisches Eigenleben entwickeln. Schließlich entdecken wir das Horrorfilmpotential von tragbaren Milchaufschäumern. Kettensägen? Lächerlich! Vor den Psychopaten mit Milchaufschäumern muss man sich in Acht nehmen. Und bei einer Zombie-Invasion oder zumindest Papiermonstern können sie Leben retten. Aber ich schweife ab. Der eigentliche Star sollte doch das Kochen sein. Und tatsächlich, nach getaner Arbeit steht ein Meisterwerk, naja fast, vor uns. Und es ist auch noch essbar. Kochen ist Kunst, und wenn unsere Ergebnisse schon nicht schön, dann sind sie wenigstens einzigartig.
Wer sich nun also auch einmal auf eine Reise voller Mirakel begeben will, der sollte sich ein paar tapfere Mitstreiter suchen und seine Küche betreten.
Ich weiß jedenfalls, was ich am nächsten Wochenende mache.
P.S.: Unser herzlichster Dank geht an dieser Stelle an den Erfinder des Siebs.
Donnerstag, 22. Juli 2010
Atomkraft? Nein,...Nein!
Vor etwas mehr als einer Woche gab es eine Reportage der Frontal21-Redaktion zum Thema Atomkraftwerke in Deutschland und der händeringend beschworenen Laufzeitverlängerung der schwarz-gelben Koalition... (Haben sie die Mehrdeutigkeit bemerkt? Sehr gut.) So sehr ich auch mit der Position der Sendung übereinstimme, so sehr stieß mich die Art und Weise ab, wie diese präsentiert wurde.
Ich gebe mich nach wie vor der Illusion hin, Journalismus, egal welches Mediums er sich bedient, sollte sowohl informativ als auch neutral sein. Besondere Hoffnungen hatte ich an dieser Stelle immer in die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesetzt. Wer, wenn nicht sie, sollte die Fahne des Qualitätsjournalismus hochhalten und ihre Zuschauer mit akribisch recherchierten und objektiv dargestellten Berichten versorgen? Mit Erschrecken stelle ich jedoch immer wieder fest, dass sich ein Trend in der deutschen Medienlandschaft abzeichnet, der von den "Privaten" auch auf die "Öffentlich-Rechtlichen" übergesprungen zu sein scheint.
Zunächst waren die sog. "Nachrichtensender" betroffen. Deren Programm beschränkte sich zuerst einmal auf Nachrichten, wie schon der Name vermuten lässt, allerdings bieten sie dem geneigten Zuschauer auch eine Auswahl an Reportagen, die die Wartezeit bis zur nächsten Nachrichtensendung überbrücken. Seit ich diese Sender kenne, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ein gewisses Faible für den "American Way of Berichterstattung" hegen. Da ist die Aufmachung des Studios: Alles erweckt den Anschein von reger Informationsakquise oder aber von allumfassender High-Tech-Ausrüstung oder beides zur selben Zeit. Hinzu kommen die zwei bis drei Nachrichtensprecher, die mit merkwürdigen Zwischenkommentaren die Nachrichten aufzulockern versuchen(?). Noch wichtiger aber sind die ständig laufenden "News-Ticker", die früher Laufschrift hießen und einen ständig mit denselben Schlagzeilen berieseln.
Auch das Design der Reportagen erinnert an amerikanische Vorbilder, ja klar, mag jetzt mancher sagen, schließlich werden sie auch aus den USA importiert. Wenn man lange genug auf solchen Sendern verweilt, stellt sich einem unwillkürlich die Frage, ob die Amerikaner sich tatsächlich nur für's Militär, Riesenbaumaschinen und "Killerhaie" interessieren. Gut, diese Frage muss sich der geneigte Leser selbst beantworten. Zurück zum eigentlichen Thema. Ein beliebter Kunstgriff dieser Reportagen, mittlerweile eher schon abgegriffen als künstlerisch, ist das, was ich gern als "Steckbriefmethode" bezeichne. Sie ist universell und ist deswegen auch in jeder Reportage einsetzbar. Jeder Panzer, Kampfflieger, Kran, Riesenkipper, Schwarzspitzenriff- oder Tigerhai bekommt bei seinem ersten Auftauchen in der Dokumentation einen Steckbrief verpasst, der vornehmlich über Größen, Gewicht, Vorkommen Auskunft gibt, und darüber hinaus noch eine vierte Kategorie enthält, die je nach Themenbereich einen so schillernden Namen wie "Zerstörungskraft","Hebemasse" oder "Gefährlichkeit" trägt. Der Stekbrief im Allgemeinen und die vierte Kategorie im Besonderen ist dabei mehr oder weniger sinnig bis überflüssig, meiner bescheidenen Meinung nach.
Dass die "Privaten" schon immer die Amerikaner anhimmelten, ist seit Harald Schmidt und seiner Kopie der amerikanischen Late-Night-Show schlechthin nichts Neues, ja man kann ihnen nicht einmal einen echten Vorwurf machen, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Bevölkerung und somit auch der Fernsehzuschauer begierig ist, sich amerikanisieren zu lassen. Die "Öffentlich-Rechtlichen" jedoch schienen sich diesem Trend erfolgreich widersetzt zu haben, bisher. Produktionen, wie die oben erwähnte, jedoch scheinen eher der Feder eines "AmericanTV-Fans" entsprungen zu sein, als Fernsehmachern der ersten und zweiten Programme. Wohlgemerkt nicht inhaltlich, sondern formal. Das heikle und wichtige Thema der Atomkraft wurde hier in eine Hülle gesteckt, die es an der nötigen Seriosität mangeln ließ und dem Anliegen wohl eher entgegengestanden haben dürfte, als es zu unterstützen. Merkwürdige Grafikspielereien und eine Vielzahl von Einschüben lockerten die Sendung nicht nur auf, sondern zerissen sie eher in einzelne Schnipsel. Und schließlich sollte auch bei einem Thema wie der Atomkraft nie der Eindruck von Einseitigkeit entstehen. Wer aber ausschließlich Gegner der Atomkraft zu Wort kommen lässt, der muss sich den Vorwurf der Befürworter, ihre Argumente außen vor gelassen zu haben, wohl oder übel gefallen lassen. Der Reportage des ZDFs wäre es, aus meiner Sicht der Dinge, sehr gut bekommen, diese Argumente aufzugreifen und sie direkt den Fakten und Gegenargumenten gegenüberzustellen. So wäre der Eindruck von Neutralität gewahrt geblieben, möglicherweise aber hätte das die vorgesehene Sendezeit überschritten. Und so verpassen die Rundfunkanstalten von ARD und ZDF eine weitere Chance sich deutlich von der Konkurrenz der vollends assimilierten Privaten abzusetzen.
Andererseits hört man dieser Tage auch, dass sogar der Gesetzgeber sich diesbezüglich hat infizieren lassen. So wurde der ARD untersagt, ihr umfangreiches Angebot auf tagesschau.de aufrecht zu erhalten. Die Privatsender setzten sich damit durch, dass ihnen ein erheblicher Nachteil daraus entstehe, wenn ihr Konkurrent auf seiner Seite sich nicht auf Bild- und Videomaterial beschränke, sondern auch Texte(!) verwende. Wer sich nun vor die Stirn schlägt, der teilt das Gefühl, das ich bei solchen Nachrichten hatte.
Ich gebe mich nach wie vor der Illusion hin, Journalismus, egal welches Mediums er sich bedient, sollte sowohl informativ als auch neutral sein. Besondere Hoffnungen hatte ich an dieser Stelle immer in die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesetzt. Wer, wenn nicht sie, sollte die Fahne des Qualitätsjournalismus hochhalten und ihre Zuschauer mit akribisch recherchierten und objektiv dargestellten Berichten versorgen? Mit Erschrecken stelle ich jedoch immer wieder fest, dass sich ein Trend in der deutschen Medienlandschaft abzeichnet, der von den "Privaten" auch auf die "Öffentlich-Rechtlichen" übergesprungen zu sein scheint.
Zunächst waren die sog. "Nachrichtensender" betroffen. Deren Programm beschränkte sich zuerst einmal auf Nachrichten, wie schon der Name vermuten lässt, allerdings bieten sie dem geneigten Zuschauer auch eine Auswahl an Reportagen, die die Wartezeit bis zur nächsten Nachrichtensendung überbrücken. Seit ich diese Sender kenne, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ein gewisses Faible für den "American Way of Berichterstattung" hegen. Da ist die Aufmachung des Studios: Alles erweckt den Anschein von reger Informationsakquise oder aber von allumfassender High-Tech-Ausrüstung oder beides zur selben Zeit. Hinzu kommen die zwei bis drei Nachrichtensprecher, die mit merkwürdigen Zwischenkommentaren die Nachrichten aufzulockern versuchen(?). Noch wichtiger aber sind die ständig laufenden "News-Ticker", die früher Laufschrift hießen und einen ständig mit denselben Schlagzeilen berieseln.
Auch das Design der Reportagen erinnert an amerikanische Vorbilder, ja klar, mag jetzt mancher sagen, schließlich werden sie auch aus den USA importiert. Wenn man lange genug auf solchen Sendern verweilt, stellt sich einem unwillkürlich die Frage, ob die Amerikaner sich tatsächlich nur für's Militär, Riesenbaumaschinen und "Killerhaie" interessieren. Gut, diese Frage muss sich der geneigte Leser selbst beantworten. Zurück zum eigentlichen Thema. Ein beliebter Kunstgriff dieser Reportagen, mittlerweile eher schon abgegriffen als künstlerisch, ist das, was ich gern als "Steckbriefmethode" bezeichne. Sie ist universell und ist deswegen auch in jeder Reportage einsetzbar. Jeder Panzer, Kampfflieger, Kran, Riesenkipper, Schwarzspitzenriff- oder Tigerhai bekommt bei seinem ersten Auftauchen in der Dokumentation einen Steckbrief verpasst, der vornehmlich über Größen, Gewicht, Vorkommen Auskunft gibt, und darüber hinaus noch eine vierte Kategorie enthält, die je nach Themenbereich einen so schillernden Namen wie "Zerstörungskraft","Hebemasse" oder "Gefährlichkeit" trägt. Der Stekbrief im Allgemeinen und die vierte Kategorie im Besonderen ist dabei mehr oder weniger sinnig bis überflüssig, meiner bescheidenen Meinung nach.
Dass die "Privaten" schon immer die Amerikaner anhimmelten, ist seit Harald Schmidt und seiner Kopie der amerikanischen Late-Night-Show schlechthin nichts Neues, ja man kann ihnen nicht einmal einen echten Vorwurf machen, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Bevölkerung und somit auch der Fernsehzuschauer begierig ist, sich amerikanisieren zu lassen. Die "Öffentlich-Rechtlichen" jedoch schienen sich diesem Trend erfolgreich widersetzt zu haben, bisher. Produktionen, wie die oben erwähnte, jedoch scheinen eher der Feder eines "AmericanTV-Fans" entsprungen zu sein, als Fernsehmachern der ersten und zweiten Programme. Wohlgemerkt nicht inhaltlich, sondern formal. Das heikle und wichtige Thema der Atomkraft wurde hier in eine Hülle gesteckt, die es an der nötigen Seriosität mangeln ließ und dem Anliegen wohl eher entgegengestanden haben dürfte, als es zu unterstützen. Merkwürdige Grafikspielereien und eine Vielzahl von Einschüben lockerten die Sendung nicht nur auf, sondern zerissen sie eher in einzelne Schnipsel. Und schließlich sollte auch bei einem Thema wie der Atomkraft nie der Eindruck von Einseitigkeit entstehen. Wer aber ausschließlich Gegner der Atomkraft zu Wort kommen lässt, der muss sich den Vorwurf der Befürworter, ihre Argumente außen vor gelassen zu haben, wohl oder übel gefallen lassen. Der Reportage des ZDFs wäre es, aus meiner Sicht der Dinge, sehr gut bekommen, diese Argumente aufzugreifen und sie direkt den Fakten und Gegenargumenten gegenüberzustellen. So wäre der Eindruck von Neutralität gewahrt geblieben, möglicherweise aber hätte das die vorgesehene Sendezeit überschritten. Und so verpassen die Rundfunkanstalten von ARD und ZDF eine weitere Chance sich deutlich von der Konkurrenz der vollends assimilierten Privaten abzusetzen.
Andererseits hört man dieser Tage auch, dass sogar der Gesetzgeber sich diesbezüglich hat infizieren lassen. So wurde der ARD untersagt, ihr umfangreiches Angebot auf tagesschau.de aufrecht zu erhalten. Die Privatsender setzten sich damit durch, dass ihnen ein erheblicher Nachteil daraus entstehe, wenn ihr Konkurrent auf seiner Seite sich nicht auf Bild- und Videomaterial beschränke, sondern auch Texte(!) verwende. Wer sich nun vor die Stirn schlägt, der teilt das Gefühl, das ich bei solchen Nachrichten hatte.
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