Ein Phänomen zeitweise verpöhnt, obwohl so wichtig wie das täglich Brot und so alt wie die Menschheit, naja, fast jedenfalls: Es ist schon allein aber noch eher in Gesellschaft ein Ereignis. Beinah jeder, der es versucht, bleibt dabei. Meistens ist es sogar gesund. Auch mich hat die Faszination seit ein paar Wochen mit fester Hand gepackt. Ich rede vom Kochen.
Drei junge Herren pflegen eine junge aber eine Tradition mit Potential. Wenn Wasser kocht und Soßen duften, wenn sich Hauptattraktion mit Sättigungsbeilage trifft, dann ist das allein schon ein Genuss. Noch besser wird es, wenn die kulinarischen Gehversuche von Erfolg gekrönt werden. Und diesbezüglich kann sich unsere Runde tatsächlich sehen lassen. Ich sage nur: "Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen". Aber im Ernst, abgesehen von kleineren Missgeschicken waren wir bisher sehr erfolgreich. So sehr, dass wir noch Zeit finden, die technischen Mysterien unseres Laboratoriums zu testen, z.B.: Pfeffermühlen, die nicht nur auf Knopfdruck mahlen, sondern auch einen Zielscheinwerfer aktivieren. Oder unauffällige Wandverzierungen, die ebenfalls auf Knopfdruck ein gespenstisches Eigenleben entwickeln. Schließlich entdecken wir das Horrorfilmpotential von tragbaren Milchaufschäumern. Kettensägen? Lächerlich! Vor den Psychopaten mit Milchaufschäumern muss man sich in Acht nehmen. Und bei einer Zombie-Invasion oder zumindest Papiermonstern können sie Leben retten. Aber ich schweife ab. Der eigentliche Star sollte doch das Kochen sein. Und tatsächlich, nach getaner Arbeit steht ein Meisterwerk, naja fast, vor uns. Und es ist auch noch essbar. Kochen ist Kunst, und wenn unsere Ergebnisse schon nicht schön, dann sind sie wenigstens einzigartig.
Wer sich nun also auch einmal auf eine Reise voller Mirakel begeben will, der sollte sich ein paar tapfere Mitstreiter suchen und seine Küche betreten.
Ich weiß jedenfalls, was ich am nächsten Wochenende mache.
P.S.: Unser herzlichster Dank geht an dieser Stelle an den Erfinder des Siebs.
Mittwoch, 25. August 2010
Donnerstag, 22. Juli 2010
Atomkraft? Nein,...Nein!
Vor etwas mehr als einer Woche gab es eine Reportage der Frontal21-Redaktion zum Thema Atomkraftwerke in Deutschland und der händeringend beschworenen Laufzeitverlängerung der schwarz-gelben Koalition... (Haben sie die Mehrdeutigkeit bemerkt? Sehr gut.) So sehr ich auch mit der Position der Sendung übereinstimme, so sehr stieß mich die Art und Weise ab, wie diese präsentiert wurde.
Ich gebe mich nach wie vor der Illusion hin, Journalismus, egal welches Mediums er sich bedient, sollte sowohl informativ als auch neutral sein. Besondere Hoffnungen hatte ich an dieser Stelle immer in die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesetzt. Wer, wenn nicht sie, sollte die Fahne des Qualitätsjournalismus hochhalten und ihre Zuschauer mit akribisch recherchierten und objektiv dargestellten Berichten versorgen? Mit Erschrecken stelle ich jedoch immer wieder fest, dass sich ein Trend in der deutschen Medienlandschaft abzeichnet, der von den "Privaten" auch auf die "Öffentlich-Rechtlichen" übergesprungen zu sein scheint.
Zunächst waren die sog. "Nachrichtensender" betroffen. Deren Programm beschränkte sich zuerst einmal auf Nachrichten, wie schon der Name vermuten lässt, allerdings bieten sie dem geneigten Zuschauer auch eine Auswahl an Reportagen, die die Wartezeit bis zur nächsten Nachrichtensendung überbrücken. Seit ich diese Sender kenne, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ein gewisses Faible für den "American Way of Berichterstattung" hegen. Da ist die Aufmachung des Studios: Alles erweckt den Anschein von reger Informationsakquise oder aber von allumfassender High-Tech-Ausrüstung oder beides zur selben Zeit. Hinzu kommen die zwei bis drei Nachrichtensprecher, die mit merkwürdigen Zwischenkommentaren die Nachrichten aufzulockern versuchen(?). Noch wichtiger aber sind die ständig laufenden "News-Ticker", die früher Laufschrift hießen und einen ständig mit denselben Schlagzeilen berieseln.
Auch das Design der Reportagen erinnert an amerikanische Vorbilder, ja klar, mag jetzt mancher sagen, schließlich werden sie auch aus den USA importiert. Wenn man lange genug auf solchen Sendern verweilt, stellt sich einem unwillkürlich die Frage, ob die Amerikaner sich tatsächlich nur für's Militär, Riesenbaumaschinen und "Killerhaie" interessieren. Gut, diese Frage muss sich der geneigte Leser selbst beantworten. Zurück zum eigentlichen Thema. Ein beliebter Kunstgriff dieser Reportagen, mittlerweile eher schon abgegriffen als künstlerisch, ist das, was ich gern als "Steckbriefmethode" bezeichne. Sie ist universell und ist deswegen auch in jeder Reportage einsetzbar. Jeder Panzer, Kampfflieger, Kran, Riesenkipper, Schwarzspitzenriff- oder Tigerhai bekommt bei seinem ersten Auftauchen in der Dokumentation einen Steckbrief verpasst, der vornehmlich über Größen, Gewicht, Vorkommen Auskunft gibt, und darüber hinaus noch eine vierte Kategorie enthält, die je nach Themenbereich einen so schillernden Namen wie "Zerstörungskraft","Hebemasse" oder "Gefährlichkeit" trägt. Der Stekbrief im Allgemeinen und die vierte Kategorie im Besonderen ist dabei mehr oder weniger sinnig bis überflüssig, meiner bescheidenen Meinung nach.
Dass die "Privaten" schon immer die Amerikaner anhimmelten, ist seit Harald Schmidt und seiner Kopie der amerikanischen Late-Night-Show schlechthin nichts Neues, ja man kann ihnen nicht einmal einen echten Vorwurf machen, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Bevölkerung und somit auch der Fernsehzuschauer begierig ist, sich amerikanisieren zu lassen. Die "Öffentlich-Rechtlichen" jedoch schienen sich diesem Trend erfolgreich widersetzt zu haben, bisher. Produktionen, wie die oben erwähnte, jedoch scheinen eher der Feder eines "AmericanTV-Fans" entsprungen zu sein, als Fernsehmachern der ersten und zweiten Programme. Wohlgemerkt nicht inhaltlich, sondern formal. Das heikle und wichtige Thema der Atomkraft wurde hier in eine Hülle gesteckt, die es an der nötigen Seriosität mangeln ließ und dem Anliegen wohl eher entgegengestanden haben dürfte, als es zu unterstützen. Merkwürdige Grafikspielereien und eine Vielzahl von Einschüben lockerten die Sendung nicht nur auf, sondern zerissen sie eher in einzelne Schnipsel. Und schließlich sollte auch bei einem Thema wie der Atomkraft nie der Eindruck von Einseitigkeit entstehen. Wer aber ausschließlich Gegner der Atomkraft zu Wort kommen lässt, der muss sich den Vorwurf der Befürworter, ihre Argumente außen vor gelassen zu haben, wohl oder übel gefallen lassen. Der Reportage des ZDFs wäre es, aus meiner Sicht der Dinge, sehr gut bekommen, diese Argumente aufzugreifen und sie direkt den Fakten und Gegenargumenten gegenüberzustellen. So wäre der Eindruck von Neutralität gewahrt geblieben, möglicherweise aber hätte das die vorgesehene Sendezeit überschritten. Und so verpassen die Rundfunkanstalten von ARD und ZDF eine weitere Chance sich deutlich von der Konkurrenz der vollends assimilierten Privaten abzusetzen.
Andererseits hört man dieser Tage auch, dass sogar der Gesetzgeber sich diesbezüglich hat infizieren lassen. So wurde der ARD untersagt, ihr umfangreiches Angebot auf tagesschau.de aufrecht zu erhalten. Die Privatsender setzten sich damit durch, dass ihnen ein erheblicher Nachteil daraus entstehe, wenn ihr Konkurrent auf seiner Seite sich nicht auf Bild- und Videomaterial beschränke, sondern auch Texte(!) verwende. Wer sich nun vor die Stirn schlägt, der teilt das Gefühl, das ich bei solchen Nachrichten hatte.
Ich gebe mich nach wie vor der Illusion hin, Journalismus, egal welches Mediums er sich bedient, sollte sowohl informativ als auch neutral sein. Besondere Hoffnungen hatte ich an dieser Stelle immer in die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesetzt. Wer, wenn nicht sie, sollte die Fahne des Qualitätsjournalismus hochhalten und ihre Zuschauer mit akribisch recherchierten und objektiv dargestellten Berichten versorgen? Mit Erschrecken stelle ich jedoch immer wieder fest, dass sich ein Trend in der deutschen Medienlandschaft abzeichnet, der von den "Privaten" auch auf die "Öffentlich-Rechtlichen" übergesprungen zu sein scheint.
Zunächst waren die sog. "Nachrichtensender" betroffen. Deren Programm beschränkte sich zuerst einmal auf Nachrichten, wie schon der Name vermuten lässt, allerdings bieten sie dem geneigten Zuschauer auch eine Auswahl an Reportagen, die die Wartezeit bis zur nächsten Nachrichtensendung überbrücken. Seit ich diese Sender kenne, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ein gewisses Faible für den "American Way of Berichterstattung" hegen. Da ist die Aufmachung des Studios: Alles erweckt den Anschein von reger Informationsakquise oder aber von allumfassender High-Tech-Ausrüstung oder beides zur selben Zeit. Hinzu kommen die zwei bis drei Nachrichtensprecher, die mit merkwürdigen Zwischenkommentaren die Nachrichten aufzulockern versuchen(?). Noch wichtiger aber sind die ständig laufenden "News-Ticker", die früher Laufschrift hießen und einen ständig mit denselben Schlagzeilen berieseln.
Auch das Design der Reportagen erinnert an amerikanische Vorbilder, ja klar, mag jetzt mancher sagen, schließlich werden sie auch aus den USA importiert. Wenn man lange genug auf solchen Sendern verweilt, stellt sich einem unwillkürlich die Frage, ob die Amerikaner sich tatsächlich nur für's Militär, Riesenbaumaschinen und "Killerhaie" interessieren. Gut, diese Frage muss sich der geneigte Leser selbst beantworten. Zurück zum eigentlichen Thema. Ein beliebter Kunstgriff dieser Reportagen, mittlerweile eher schon abgegriffen als künstlerisch, ist das, was ich gern als "Steckbriefmethode" bezeichne. Sie ist universell und ist deswegen auch in jeder Reportage einsetzbar. Jeder Panzer, Kampfflieger, Kran, Riesenkipper, Schwarzspitzenriff- oder Tigerhai bekommt bei seinem ersten Auftauchen in der Dokumentation einen Steckbrief verpasst, der vornehmlich über Größen, Gewicht, Vorkommen Auskunft gibt, und darüber hinaus noch eine vierte Kategorie enthält, die je nach Themenbereich einen so schillernden Namen wie "Zerstörungskraft","Hebemasse" oder "Gefährlichkeit" trägt. Der Stekbrief im Allgemeinen und die vierte Kategorie im Besonderen ist dabei mehr oder weniger sinnig bis überflüssig, meiner bescheidenen Meinung nach.
Dass die "Privaten" schon immer die Amerikaner anhimmelten, ist seit Harald Schmidt und seiner Kopie der amerikanischen Late-Night-Show schlechthin nichts Neues, ja man kann ihnen nicht einmal einen echten Vorwurf machen, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Bevölkerung und somit auch der Fernsehzuschauer begierig ist, sich amerikanisieren zu lassen. Die "Öffentlich-Rechtlichen" jedoch schienen sich diesem Trend erfolgreich widersetzt zu haben, bisher. Produktionen, wie die oben erwähnte, jedoch scheinen eher der Feder eines "AmericanTV-Fans" entsprungen zu sein, als Fernsehmachern der ersten und zweiten Programme. Wohlgemerkt nicht inhaltlich, sondern formal. Das heikle und wichtige Thema der Atomkraft wurde hier in eine Hülle gesteckt, die es an der nötigen Seriosität mangeln ließ und dem Anliegen wohl eher entgegengestanden haben dürfte, als es zu unterstützen. Merkwürdige Grafikspielereien und eine Vielzahl von Einschüben lockerten die Sendung nicht nur auf, sondern zerissen sie eher in einzelne Schnipsel. Und schließlich sollte auch bei einem Thema wie der Atomkraft nie der Eindruck von Einseitigkeit entstehen. Wer aber ausschließlich Gegner der Atomkraft zu Wort kommen lässt, der muss sich den Vorwurf der Befürworter, ihre Argumente außen vor gelassen zu haben, wohl oder übel gefallen lassen. Der Reportage des ZDFs wäre es, aus meiner Sicht der Dinge, sehr gut bekommen, diese Argumente aufzugreifen und sie direkt den Fakten und Gegenargumenten gegenüberzustellen. So wäre der Eindruck von Neutralität gewahrt geblieben, möglicherweise aber hätte das die vorgesehene Sendezeit überschritten. Und so verpassen die Rundfunkanstalten von ARD und ZDF eine weitere Chance sich deutlich von der Konkurrenz der vollends assimilierten Privaten abzusetzen.
Andererseits hört man dieser Tage auch, dass sogar der Gesetzgeber sich diesbezüglich hat infizieren lassen. So wurde der ARD untersagt, ihr umfangreiches Angebot auf tagesschau.de aufrecht zu erhalten. Die Privatsender setzten sich damit durch, dass ihnen ein erheblicher Nachteil daraus entstehe, wenn ihr Konkurrent auf seiner Seite sich nicht auf Bild- und Videomaterial beschränke, sondern auch Texte(!) verwende. Wer sich nun vor die Stirn schlägt, der teilt das Gefühl, das ich bei solchen Nachrichten hatte.
Montag, 12. Juli 2010
Verstandeslos
Dieses "Gedicht" ereilt mich sozusagen zeitversetzt zu einem Thema, mit dem ein Freund und ich uns mehrere Wochen beschäftigen durften. Diese Phase liegt nun ebenfalls mehrere Wochen zurück, vielleicht sollte ich sagen glücklicherweise, wer weiß, wie schlimm es geworden wäre, wenn nicht eine gewisse Distanz Einzug gehalten hätte.
Folgender Satz sei aber hier noch vorausgeschickt:
Die Gedanken sind's,
Nicht der Reim,
Die hier sollten wichtig sein.
Mit anderen Worten:
Ohren zu und durch!
Ein grüner Frosch sitzt an seinem Teich,
Mit einem Blick umher,
Sieht er die Libelle hier,
Und denkt sich noch:
"Die schnapp' ich mir"
Kamen Viele und sprachen jedoch:
"Nein, an dieser Stelle "denken" ist nicht helle!
Schließlich ist der Frosch nur ein Amphibien-Tier,
Doch beginnt zu menscheln er nun plötzlich hier!"
Na und?
Was wäre denn schließlich daran Falsches,
Wenn die Libelle nach dessen Denkung
Und nicht nach dessen Triebeslenkung
Runterglitt die dunkle Bahn des Halses?
P.S.: Den Tapferen, welche sich nicht durch die Ansammlung von Knittelreimen davon abhalten ließen, bis zum Ende zu lesen: Sehen Sie es positiv, es ist doch ein schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt, oder?
Folgender Satz sei aber hier noch vorausgeschickt:
Die Gedanken sind's,
Nicht der Reim,
Die hier sollten wichtig sein.
Mit anderen Worten:
Ohren zu und durch!
Ein grüner Frosch sitzt an seinem Teich,
Mit einem Blick umher,
Sieht er die Libelle hier,
Und denkt sich noch:
"Die schnapp' ich mir"
Kamen Viele und sprachen jedoch:
"Nein, an dieser Stelle "denken" ist nicht helle!
Schließlich ist der Frosch nur ein Amphibien-Tier,
Doch beginnt zu menscheln er nun plötzlich hier!"
Na und?
Was wäre denn schließlich daran Falsches,
Wenn die Libelle nach dessen Denkung
Und nicht nach dessen Triebeslenkung
Runterglitt die dunkle Bahn des Halses?
P.S.: Den Tapferen, welche sich nicht durch die Ansammlung von Knittelreimen davon abhalten ließen, bis zum Ende zu lesen: Sehen Sie es positiv, es ist doch ein schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt, oder?
Samstag, 19. Juni 2010
Sprache
Ein kurzer Gedankengang zur Sprache (mehr oder minder).
Ein kluger Mann mit Namen Samuel Johnson hat mal gesagt, Sprache sei die Kleidung der Gedanken. Sprache ist die wichtigste kulturelle Errungenschaft des Menschen, weil sie uns endlich dazu gebracht hat, zumindest einige von uns, Konflikte und Missverständnisse nicht mit der Keule zu lösen. Darüber hinaus ist sie in mündlicher, später sogar schriftlicher Form das Werkzeug, das es uns ermöglicht, Wissen zu übertragen und zu vervielfältigen, sodass wir theoretisch nicht dazu verdammt sind, immer wieder dieselben Fehler, die bereits andere machten, zu wiederholen. Die Sprache macht Kommunikation umfangreicher und lässt uns Abstraktes ausdrücken oder Konkretes soweit abstrahieren, dass wir es auch anderen verständlich machen können.
Was ihr vorausgeht ist das Denken, das in ihr wiederum den Weg aus dem Kopf heraus gefunden hat. Der Mensch allerdings scheint manchmal das Sprechen noch vor das Denken zu stellen, so etwas wird gemeinhin als Politiker bezeichnet. Weit schwerwiegender ist jedoch der Irrtum, die Grenzen seiner Ausdrucksmöglichkeiten als die Grenzen seiner geistigen Umtriebe anzuerkennen.
Ein kluger Mann mit Namen Samuel Johnson hat mal gesagt, Sprache sei die Kleidung der Gedanken. Sprache ist die wichtigste kulturelle Errungenschaft des Menschen, weil sie uns endlich dazu gebracht hat, zumindest einige von uns, Konflikte und Missverständnisse nicht mit der Keule zu lösen. Darüber hinaus ist sie in mündlicher, später sogar schriftlicher Form das Werkzeug, das es uns ermöglicht, Wissen zu übertragen und zu vervielfältigen, sodass wir theoretisch nicht dazu verdammt sind, immer wieder dieselben Fehler, die bereits andere machten, zu wiederholen. Die Sprache macht Kommunikation umfangreicher und lässt uns Abstraktes ausdrücken oder Konkretes soweit abstrahieren, dass wir es auch anderen verständlich machen können.
Was ihr vorausgeht ist das Denken, das in ihr wiederum den Weg aus dem Kopf heraus gefunden hat. Der Mensch allerdings scheint manchmal das Sprechen noch vor das Denken zu stellen, so etwas wird gemeinhin als Politiker bezeichnet. Weit schwerwiegender ist jedoch der Irrtum, die Grenzen seiner Ausdrucksmöglichkeiten als die Grenzen seiner geistigen Umtriebe anzuerkennen.
Dienstag, 18. Mai 2010
Die Freiheit der Sonnenbrille
Dass sehr viele Menschen eine Sonnenbrille tragen, noch mehr eine haben, und fast alle eine haben möchten, ist nichts Neues. Dass eine Sonnenbrille allerdings die Antwort auf ein philosophisches Problem sein kann, das bereits Immanuel Kant gewälzt hat, wissen die Wenigsten.
Philosophie-Kurs, Dienstag, 9:35:
Unser Kurs sitzt, wieder einmal, über der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Eines der bekanntesten Werke Kants, die es in sich hat, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Kant konstruiert seine Gedankengänge in solchen Satzungetümen, die heute, leider, nur noch von den wenigsten Lesern durchdrungen werden. Das hat zur Folge, dass wir die deutsche Ausgabe seiner philosopischen Abhandlung übersetzen müssen, als hätte Immanuel Kant diese in Alt-Latein verfasst. In dieser beinah frustrierenden Atmosphäre gelingt es, trotzdem Lichtblicke zu erhaschen. Für die einen ist das die Hoffnung auf die eine oder andere Erkenntnis, für die anderen die Aussicht darauf, dass auch dieses Übel vorübergehen wird.
Heute versuchen wir das Prinzip von Heteronomie und Autonomie nach Kant nachzuvollziehen. Nach einigem Bemühen gelingt es uns sogar, aus den kantischen Gebilden mehrere Grundsätze herauszufiltern. So ist Autonomie für Kant die Fähigkeit, nach Gesetzen zu handeln, die mit Hilfe des kategorischen Imperativs zu bilden sind. Der hat verkürzt auch Eingang in unseren Alltag gefunden: "Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem ander'n zu". Kant selbst lehnt diese Formulierung ab, was, wenn man sich eine Weile mit seinen Gedanken beschäftigt, einleuchtet. Er bevorzugt eher folgenden Satz: "Handle stets nach derjenigen Maxime, von der Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde". Wer Zeit und Lust hat kann sich mit diesen Formulierungen genauer beschäftigen, sollte aber auch das entsprechende Durchhaltevermögen mitbringen.
Zurück zum eigentlichen Thema: Wer also mit einem gewissen Sprachgefühl und etwaiigen Lateinkenntnissen hinter Autonomie so etwas wie "Selbstbestimmung" vermutet hat, liegt nicht unbedingt verkehrt. Trotzdem weitet sich bei Kant dieser Begriff eben auf das "allgemeine Gesetz" aus, was bedeutet, dass es allgemein gültig, also unabhängig von subjektiven Gelüsten und Zielen sein muss. Dies wiederum ist nämlich Heteronomie, sozusagen die "Fremdbestimmung". Damit meint Kant solche Fälle in denen der Mensch handelt, nicht nach dem kategorischen Imperativ, sondern von einem "Objekt" bestimmt. Wer also etwas tut, weil er damit ein bestimmtes Ziel verfolgt, ist heteronom. Wer nicht lügt, weil er seine Ehre nicht verlieren will, der ist heteronom. Wer aber nicht lügt, egal ob es nun seiner Ehre schadete oder nicht, der ist autonom.
Kant stellt aber in diesem Zusammenhang noch eine weitere These auf. Autonom kann nämlich nur der sein, der vernunftbegabt und nicht von einer "Naturnotwendigkeit" bestimmt, also frei ist. Vernunftlose Wesen sind so Kant immer von einer oder mehreren "Naturnotwendingkeiten", seien dies Naturgesetze oder von der Natur gegebene Instinkte, abhängig und somit heteronom. Das Beispiel hierzu stammt aus unserem Kurs-Gespräch:
Ein Löwe legt sich unter einen Baum, wenn die Sonne am Mittag zu heiß scheint. Der Löwe tut dies, weil er Flüssigkeit und Energie sparen muss. Wir Menschen als vernunftbegabte Wesen dagegen können uns eine Sonnenbrille aufsetzen und uns in die Sonne legen.
Heimweg, Dienstag, 13:35:
Mit solcherlei Gedanken im Hinterkopf weiß ich es 4 Stunden später erst so richtig zu würdigen, meine Sonnenbrille aufsetzen zu können, und radle nach Hause.
Philosophie-Kurs, Dienstag, 9:35:
Unser Kurs sitzt, wieder einmal, über der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Eines der bekanntesten Werke Kants, die es in sich hat, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Kant konstruiert seine Gedankengänge in solchen Satzungetümen, die heute, leider, nur noch von den wenigsten Lesern durchdrungen werden. Das hat zur Folge, dass wir die deutsche Ausgabe seiner philosopischen Abhandlung übersetzen müssen, als hätte Immanuel Kant diese in Alt-Latein verfasst. In dieser beinah frustrierenden Atmosphäre gelingt es, trotzdem Lichtblicke zu erhaschen. Für die einen ist das die Hoffnung auf die eine oder andere Erkenntnis, für die anderen die Aussicht darauf, dass auch dieses Übel vorübergehen wird.
Heute versuchen wir das Prinzip von Heteronomie und Autonomie nach Kant nachzuvollziehen. Nach einigem Bemühen gelingt es uns sogar, aus den kantischen Gebilden mehrere Grundsätze herauszufiltern. So ist Autonomie für Kant die Fähigkeit, nach Gesetzen zu handeln, die mit Hilfe des kategorischen Imperativs zu bilden sind. Der hat verkürzt auch Eingang in unseren Alltag gefunden: "Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem ander'n zu". Kant selbst lehnt diese Formulierung ab, was, wenn man sich eine Weile mit seinen Gedanken beschäftigt, einleuchtet. Er bevorzugt eher folgenden Satz: "Handle stets nach derjenigen Maxime, von der Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde". Wer Zeit und Lust hat kann sich mit diesen Formulierungen genauer beschäftigen, sollte aber auch das entsprechende Durchhaltevermögen mitbringen.
Zurück zum eigentlichen Thema: Wer also mit einem gewissen Sprachgefühl und etwaiigen Lateinkenntnissen hinter Autonomie so etwas wie "Selbstbestimmung" vermutet hat, liegt nicht unbedingt verkehrt. Trotzdem weitet sich bei Kant dieser Begriff eben auf das "allgemeine Gesetz" aus, was bedeutet, dass es allgemein gültig, also unabhängig von subjektiven Gelüsten und Zielen sein muss. Dies wiederum ist nämlich Heteronomie, sozusagen die "Fremdbestimmung". Damit meint Kant solche Fälle in denen der Mensch handelt, nicht nach dem kategorischen Imperativ, sondern von einem "Objekt" bestimmt. Wer also etwas tut, weil er damit ein bestimmtes Ziel verfolgt, ist heteronom. Wer nicht lügt, weil er seine Ehre nicht verlieren will, der ist heteronom. Wer aber nicht lügt, egal ob es nun seiner Ehre schadete oder nicht, der ist autonom.
Kant stellt aber in diesem Zusammenhang noch eine weitere These auf. Autonom kann nämlich nur der sein, der vernunftbegabt und nicht von einer "Naturnotwendigkeit" bestimmt, also frei ist. Vernunftlose Wesen sind so Kant immer von einer oder mehreren "Naturnotwendingkeiten", seien dies Naturgesetze oder von der Natur gegebene Instinkte, abhängig und somit heteronom. Das Beispiel hierzu stammt aus unserem Kurs-Gespräch:
Ein Löwe legt sich unter einen Baum, wenn die Sonne am Mittag zu heiß scheint. Der Löwe tut dies, weil er Flüssigkeit und Energie sparen muss. Wir Menschen als vernunftbegabte Wesen dagegen können uns eine Sonnenbrille aufsetzen und uns in die Sonne legen.
Heimweg, Dienstag, 13:35:
Mit solcherlei Gedanken im Hinterkopf weiß ich es 4 Stunden später erst so richtig zu würdigen, meine Sonnenbrille aufsetzen zu können, und radle nach Hause.
Freitag, 7. Mai 2010
Agnostizismus
Vor Kurzem hatte ich ein sehr merkwürdiges Erlebnis, das mich bis heute beschäftigt.
Als ich vor einigen Wochen mit dem Fahrrad fuhr, kam ich an einen Bahnübergang, die Schranken waren geschlossen. Ich stieg also von meinem Drahtesel und wartete. Eine ältere Dame, ebenfalls auf dem Fahrrad, kam und stellte sich neben mich. Sie drehte sich zu mir und meinte: "Es ist ja doch etwas kühler heute." Ich antwortete nur mit einem kurzen Nicken. "Ich habe mir heute Handschuhe anziehen müssen, Sie scheinen da ja etwas abgehärteter zu sein.", bemerkte sie mit einem Blick auf meine blanken Hände. "Es geht noch.", erwiderte ich. "Naja, ich habe heute ja schon gebetet, dass es wenigstens nicht regnet.", offensichtlich war ihr nach ein wenig Smalltalk zumute. Ich sah sie an und sagte: "Das wäre ja immerhin schon was, wenn es trocken bliebe."
Ich wandte mich wieder meinem Fahrrad zu. Umso kälter erwischte mich ihre nächste Frage:"Glauben Sie eigentlich an Gott?" Ich wandte mich ihr wieder zu und überlegte kurz:
"Ja, ich denke schon, dass es so etwas wie ein höheres Wesen gibt. Aber nicht unbedingt so, wie es beispielsweise das Christentum sieht." Sie schien ebenfalls kurz zu überlegen: "Ja, so habe ich auch 47 Jahre gelebt und dann habe ich mir gedacht, dass es so nicht weiter gehen kann. Man kann sich eben nicht aus allem das heraussuchen, was einem gefällt." Sie sah irgendwo in die Ferne, blickte wieder mich an: "Und nun bin ich in der Kirche, weil ich glaube, Gott ist nicht nur ein höheres Wesen, sondern auch hier bei uns und er liebt uns." "Wissen Sie, wenn ich so sehe, was gerade wieder über die Kirche in der Zeitung steht, dann bin ich mir sicher, dass das Christentum nicht unbedingt mein Weg ist.", versetzte ich. "Ja.", ihr Blick schweifte wieder ab. Und bevor Sie etwas erwidern konnte, gingen die Schranken hoch. Ich begann in die Pedale zu treten und hörte noch, wie sie mir ein "Gott segne Sie!" hinterherrief.
"Glauben Sie an Gott?" was für eine seltsame Frage für ein 5-Minuten Bahnübergangsgespräch. Eine Frage, die mich dazu brachte, wieder einmal über dieses Thema nachzudenken.
Als Grundschüler war ich im evangelischen Religionsunterricht, ich war aber nie richtig Christ, zumindest habe ich mich nie so gefühlt. Meine Eltern haben mir nie irgendwelche Vorschriften darüber gemacht, was ich zu glauben habe. Dementsprechend freigeistig habe ich mich mit dem Thema Glauben beschäftigt. Irgendwann habe ich mir dann überlegt, dass das Christentum mir nicht zusagt. Spätestens als ich von Dingen, wie den "heiligen" Kreuzzügen und der "heiligen" Inquisition, erfuhr, war ich mir dessen sicher. Ein Gott der es zulässt, dass seine Gläubigen in seinem Namen solche Taten ausführen, mit dem will ich nichts zu tun haben. Später, als ich vom zweiten Weltkrieg und Atombomben wusste, stellte sich mir die Frage, ob es überhaupt einen guten Gott geben kann. Solche Dinge konnten mit Sicherheit nicht von einem allgütigen Wesen, dass den Menschen als seine Lieblingskreation sieht, verantwortet worden sein.
Meine Besuche in Gotteshäusern hielten sich deswegen auch eher in Grenzen. Als ich in die Orientierungsstufe kam, hatte ich, da diese nicht länger auf dem Land lag, auch Kontakt zu anderen Nationalitäten. Ich freundete mich unter anderem auch mit einem Jungen an, dessen Vater Pakistani und Muslim war. Bei einem meiner Besuche luden sie mich ein, am Gebet teilzunehmen. Wir richteten also die Gebetsteppiche nach Mekka aus und ich folgte dem Beispiel der beiden. Es war eine interessante Erfahrung, deren Wert mir eigentlich erst im Nachhinein klar geworden ist.
Doch auch der Islam, dessen "Boshaftigkeit" durch alle Medien propagiert wurde, mir ist noch ein schöner Auftritt des Kabarettisten Hagen Rether diesbezüglich in Erinnerung, hat mich nicht überzeugt. Gerade beim Islam habe ich mir aber auch Gedanken darüber gemacht, dass er keine schlechtere Religion als andere darstellt. Im Gegenteil: Fundamentalismus und Fanatismus ist in beinah jedem Glauben eine Randerscheinung. Der Islam wird vor allem so sehr verteufelt, weil wir so wenig über ihn wissen und weil er so schön in mancher Leute Feindbild passt. Nichtsdestotrotz bin ich auch der Überzeugung, dass beispielsweise , nach allem, was mir darüber zu Ohren gekommen ist, die traditionelle Rolle der Frau im Islam ein Unding ist.
Der Aspekt des Fundamentalismus hielt mich auch vom Judentum und vom Hinduismus ab. Die einzige Glaubensgemeinschaft, von der ich noch nicht gehört habe, dass sie für ihren Glauben tötet, ist der Buddhismus. Religionszugehörigkeit ist für mich generell aber kein Argument für oder gegen eine Person. Suspekt wird mir jemand erst, wenn er so sehr von seinem Plan überzeugt ist, dass er bereit ist, dafür zu töten. Leute, die angeblich genau wissen, was gut für einen selbst ist, sind in meinen Augen äußerst fragwürdig.
Was bleibt also? Atheismus? Das war mir dann doch auch nicht recht. Eine vollkommen wissenschaftliche Welt ohne die beschützende Hand, oder wenigstens eine, die den Anstoß für alles andere gab, ist mir zu kalt. Mir, wie vielen Menschen, ist es wohl lieber, sich der Hoffnung einer personifizierten Antwort auf die Frage "Warum?" hinzugeben, und sei sie noch so trügerisch.
Vorerst kam ich somit zu dem Schluss, dass Religion eine Trost und Hoffnung spendende Sache sein kann, dass aus ihr heraus aber auch einige der blutigsten Konflikte entstanden sind, wobei diese leider nicht, wie die Kreuzzüge, der Vergangenheit angehören. Des Weiteren gibt es meiner Meinung nach keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und der Vorstellung eines "Schöpfers", sondern eher eine Verschiebung der Grenzen. Der Mensch ist auf seinem Weg auf das Feuer gestoßen, je weiter er das Feuer schürt, desto weiter erhellt es seine Umgebung. Trotzdem gibt es immer einen Teil, der außerhalb des Feuerscheins liegt. Dieser mag kleiner werden, aber er bietet genug Platz für die Phantasien des Menschen, wenn er sie wünscht. Und so lange es diesen Raum gibt, ist es meiner Meinung nach gut, wenn man ihn mit einer tröstenden Hoffnung füllt. Hass und Krieg gibt es schon in der Helligkeit genug.
Samstag, 10. April 2010
Ein Moment des Staunens
Er saß am Schreibtisch und war in ein seltsames Phänomen versunken. Obwohl er nie anders als durch seine Augen sah, gelegentlich unter Zuhilfenahme einer Brille, sah er sich nun über die eigene Schulter, so klar als ob er direkt hinter sich stünde. Sah er von hinten so aus? Sah es so aus, wenn er angestrengt nachdachte? Und wer dachte das gerade, wenn er sich doch von diesen Gedanken so entfernt fühlte, als wären sie die eines Fremden? Und wo war er gerade, wenn er sich gerade selbst beim Denken zuhörte? Kann sich der Geist vom Rest lösen? Und was bleibt dann noch übrig?
Jedenfalls war es ein sehr merkwürdiges Gefühl...befreiend, aber irgendwie auch ein bisschen befremdlich.
Jedenfalls war es ein sehr merkwürdiges Gefühl...befreiend, aber irgendwie auch ein bisschen befremdlich.
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